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Abweichungen bei Messung der HH-Dicke

Verfasst: 18.12.2008, 08:22
von Donauwelle
Hallo Spezialisten!

Vor OPs wird immer die HH-Dicke gemessen. Es fällt aber immer wieder auf, dass die Messungen an verschiedenen Tagen bei unterschiedlichen Ärzten unterschiedlich ausfallen (war bei mir übrigens auch so).

- Liegt das daran, dass die Geräte unterschiedlich (ungenau) messen?
- Oder daran, dass die HH oft so uneben ist, dass die Messungen je nach Messpunkt abweichen (mit welcher Abweichung kann man in so einem Fall durchschnittlich rechnen)?
- Oder daran, dass so mancher Patient eine zu kurze CL-Pause hatte, die die HH-Messung verfälscht (Ergäbe die zu kurze Pause eine dünnere Messung aufgrund des Zusammendrückens der HH dr. die Linsen oder eher eine dickere Messung aufgrund einer Anschwellung der HH durch die Reizung)?

Wenn man bedenkt, dass die HH-Messungen häufig ungenau sind, aber auch die Keratomschnitte nicht immer die geplante Flap-Dicke liefern, kann es durchaus zu einer unerwartet geringen HH-Dicke nach der OP kommen. - Ich gehe davon aus, dass das häufig vorkommt, der Patient aber nichts davon erfährt bzw. erst bei einer geplanten Re-Lasik darauf aufmerksam wird.

Pachymetrie

Verfasst: 18.12.2008, 14:33
von Spark
Hi Donauwelle, -wieso machen mir deine Fragen immer Angst? :?
Also, grundsätzlich gibt es vier Verfahren.
1. Ultraschall Pachymeter
2. optische Pachymetrie (berührungsfrei) mit unterschiedlicher Methodik.

Bei der Ultraschallpachymetrie wird eine kleine Sonde auf die lokal betäubte Hornhaut aufgesetzt. Die Geräte arbeiten mit 20Mhz, messen von ca 150 bis 1200 micron mit einer Genauigkeit von ca. 5 micron. An Grenzflächen wird der Ultraschall in unterschiedlicher Weise reflektiert, aus dem daraus gewonnenen Signal wird die Hornhautdicke berechnet.

Die optischen Verfahren sind etwas komplizierter, ich verzichte auf eine genauere Erklärung.
Orbsacann (Spaltscannverfahren)
Pentacam (rotierende Scheimpflugkamera)
OCT, OCP (optical koherence tomography)
Zeiss ACMaster (teilkohärente Interferometrie)

Durch die Unterschiedlichkeit der Messmethoden und auch durch die Berechnung, Darstellung und Interpretation der Messwerte ergeben sich Differenzen bei unterschiedlichen Geräten.
Ich will diese nicht kommentieren.
Allerdings ist eine genaue und reproduzierbare Pachymetrie für einen refraktiven Eingriff unerlässlich.
Aus diesem Grund muss unter Umständen bei bestimmten Messgeräten zusätzlich eine Pachymetrie mit dem Ultraschallpachymeter durchgeführt werden.
Außerdem muss der postoperative Messwert der Pachymetrie für die Berechnung des Augeninnendrucks als Korrekturgröße herangezogen werden.
Nach einem refraktiven Eingriff liegt der Messwert niedriger und eine Erhöhung des Augeninnendrucks kann dadurch verschleiert werden.
Wichtig ist dies auch bei Patienten, die bei Komplikationen (DLK, SOS) nach einem refraktiven Eingriff über längere Zeit cortisonhaltige Medikamente tropfen müssen.
Eine dadurch ausgelöste Erhöhung des Augeninnendrucks (Steroidglaukom) kann hierbei fälschlicherweise übersehen werden.

Hier noch ein paar Links zum Thema:
http://dog2007.org/396_d.html
http://www.augenklinik.uni-wuerzburg.de ... eich96.pdf
http://www.dgii.org/2007/55.pdf
Donauwelle schrieb: Wenn man bedenkt, dass die HH-Messungen häufig ungenau sind, aber auch die Keratomschnitte nicht immer die geplante Flap-Dicke liefern, kann es durchaus zu einer unerwartet geringen HH-Dicke nach der OP kommen. - Ich gehe davon aus, dass das häufig vorkommt, der Patient aber nichts davon erfährt bzw. erst bei einer geplanten Re-Lasik darauf aufmerksam wird.
Standardabweichungen des Pachymeters sowie Standardabweichungen des Keratoms müssen bei der OP-Planung berücksichtigt werden und als Faktor in die Berechnung der Mindesthornhautdicke eingehen. Da darf es weder für den Arzt noch für den Patient zu Überaschungen kommen!

@all, hütet euch vor Donauwelle, Antworten kosten immer eine Stunde! :wink:
lG, Spark

Verfasst: 18.12.2008, 15:43
von Donauwelle
Danke, dass du dir wieder eine Stunde Zeit genommen hast, mir zu antworten. - Du musst ja Zeit haben :lol: :lol: . - Auch teilbeschäftigt?
Ich habe aber gehofft, dass du darauf eine Antwort gibst, da du bestimmt einer von jenen bist, die ein gutes Hintergrundwissen haben (obwohl sich unsere Ansichten nicht immer decken!!! :wink: )
Hi Donauwelle, -wieso machen mir deine Fragen immer Angst?
... Vielleicht weil meine Bedenken nicht ganz unbegründet sind....
Bei meinen HH-Messungen waren die Abweichungen über 20 µm (wären also ca -2 Dioptrien Abtrag). Eine derartige Abweichung bei der Messung der HH-Dicke ist bei Oberflächenverfahren nicht tragisch (weil man die Limits eigentlich nicht unterschreiten kann), aber bei Lasik könnte das schon anders ausschauen. Wenn ein Arzt bis ans HH-Limit lasert und die Messung nicht richtig war, könnte die Mindesthornhautdicke schon einmal unterschritten werden. Meine Bedenken galten also eigentlich eher der Instabilität der HH. Dass eine Augendruckmessung falsch ausfallen könnte, finde ich nicht weiter tragisch, wenn man immer meilenweit vom erhöhten Augendruck entfernt war und Bescheid weiß, dass man den Arzt ansprechen sollte, wenn der Druck sich den Grenzwerten nähert.

Übrigens habe ich nicht vor, dass ich mit meinen Fragen hier Panik erzeuge (obwohl ich sicher bin, dass mir das auch schon ungewollt gelungen ist :) ), aber ich denke es schadet nicht, wenn man auch Punkte überdenkt, die nie von Ärzten in den Mund genommen werden.
Standardabweichungen des Pachymeters sowie Standardabweichungen des Keratoms müssen bei der OP-Planung berücksichtigt werden und als Faktor in die Berechnung der Mindesthornhautdicke eingehen. Da darf es weder für den Arzt noch für den Patient zu Überaschungen kommen!
Das wird in den meisten Fällen sicher Praxis sein.

Pachymetrie

Verfasst: 18.12.2008, 17:47
von Spark
Hi Donauwelle, du hast folgendes geschrieben.
Das wird in den meisten Fällen sicher Praxis sein.
Das ist es! Es gibt Ausnahmen, aber noch ist es so, dass die Mehrzahl der Ärzte sehr vorsichtig sind und das Wohl des Patienten im Auge haben. Du darfst nicht davon ausgehen, dass der Arzt alles tut, um dem Patienten das Geld aus der Tasche zu ziehen. Die finanziellen Aspekte sind durchaus nicht zu vernachlässigen, aber die meisten Ärzte sind angetreten um gute Medizin zu machen und tun dies auch.
Jedenfalls ist der Arzt, der sich finanzieller Interessen wegen über moralische und medizinische Bedenken hinwegsetzt, die Ausnahme. lG, Spark

Verfasst: 19.12.2008, 00:52
von Donauwelle
Meinte nicht unbedingt den finanziellen Aspekt.
Ich denke eher, dass manchmal aus Unwissenheit und ohne schlechtem Gewissen derartige "Therapiefehler" passieren können.
Diese Unwissenheit kann/könnte an mangelndem Interesse sich mit dem Gerät intensivst zu befassen liegen, aber ev. auch an schlechter Information dr. die Vertreter (Techniker), die die Produkte verkaufen und erklären.
Es gibt ja genug Branchen (darunter auch Med.Branchen), bei denen es vorkommt, dass praktisch "Prototypen" eingesetzt werden und der Patient ist glücklich, dass er mit dem neuesten Gerät/Produkt behandelt wurde, ohne nachzudenken, dass dieses neue Produkt eigentlich noch in der Erprobung ist. Bei der Augenmedizin wird es wahrscheinlich nicht wesentlich anders ablaufen.