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Was ich vorher über LaserOp hätte wissen wollen

Verfasst: 02.10.2003, 15:48
von Ralf
Ich war auch hier im Forum vor der OP und habe immer einen Langzeitbericht vermisst - hier mein erster nach 8 Monaten
OP in Berlin Euroeyes am Potsdamer Platz bei Fr. Dr.Lamcke (hübsche Frau, nur immer schlechte Laune)
Die OP ist kein gosser Aufwand, deshalb würde ich ein zweites Mal auch billigere Kliniken ins Auge fassen :-) (dort 2000,- Euro pro Auge ohne Aberrometer) allein die Methode lässt noch viele Ungenauigkeiten zu. Je dichter man an die Operation kommt um so genauer werden dann auch die Erfolgszahlen - bei mir von angeblich 95% voll zufriedener Kunden (bei -3,5 auf beiden Seiten) bis schliesslich 80% die keine Nachop benötigen!!! Selbst das ist eigentlich gelogen. Selbst in dem guten Bereich (unter -4,0) kann man offensichtlich die Patienten nicht auf -/+ 0 genau lasern , eins der Augen hat dann immer noch -0,25 oder so - und was das bedeutet wissen Brillenträger - ja man kann ohne Brille rumlaufen aber versuch mal das Leuchtdisplay auf deinem Videorekorder zu lesen oder ganz einfach nur Strassenschilder mit -/+0,25 ist das schon ein Akt. Die Qualitätskontrolle belief sich bei mir auf die simple Frage "Wollen sie nachgelasert werden?? - ich muss ihnen aber sagen das wir so genau nicht lasern können und viele Patienten hinterher unzufriedener sind als vorher" . Somit zähle auch ich jetzt zu den 95% zufriedenen Kunden mit 100% Sehschärfe. 100% immer dran denken das ist nicht die unterste Zahlenreihe beim Sehtest - und der wird im Idealzustand mit s/w beleuchtet und abgedunkeltem Raum gemacht. Wenn ihr also wie ich vorher es mit einer gut abgestimmten Brille die untere Reihe lesen konntet habt ihr 120% und geltet als Adlerauge - wie selten das vorkommt könnt ihr sehen wenn ihr auf der Infoveranstaltung Eures Arztes seid - keiner präsentiert da ein Adlerauge :-). Wie überhaupt ihr die drängensten Fragen nicht nur Eurem Arzt stellen solltet oder irgend jemand der mit Laser Geld verdient - man verdient in dieser Branche die Hälfte dafür irgendwelche aufgeregten Hühnchen oder sich selbst überschätzende Patienten die letzten Bedenken auszuräumen - so müsst ihr vor und nach der OP darauf gefasst sein das die Ärzte immer sagen nein das ist noch nicht vorgekommen - oder ganz selten oder hinterher - ja das gibt sich noch sie sind ja erst frisch operiert. Fakt ist ich konnte am Tag nach der OP schon sehen das ein Auge schief war und da man in der Sehschärfe stark schwankt nach der OP sieht man dien bestmöglichen Zustand auch - besser wirds nicht. Wenn man wirklich so sicher lasern könnte wie immer behauptet würde es Erfolgsabhängiges Honorar geben - macht keine - gibs bestimmt ne Ärzteverordnung für - und alle sind froh das es so ist. Bei mir kommen noch kleine Sterneffekte bei Nacht und wenn die Augen ein wenig trocken sind (gabs vorher nie) blöde Doppelbilder. Woran liegts? Die Linse wird vom Laser beschossen - weil der Laser zu grob ist sieht das Ergebnis wie die Oberfläche eines Golfballes aus - hinzukommt dass Verkrümmungen nicht berücksichtigt werden selbst mit Aberrometer kann man die Korrektur nicht für alle Sehsituationen durchführen (kein Scheiss stimmt so quetsch Euren Arzt aus dann gibt er es zu - gut ist die Methode nur wenn du nen dollen Zylinder hast - dann hast du aber eh andere Probleme beim Lasern ) . Ausserdem enstehen beim "sogenannten Anwachsen" des Flaps auch neue Verkrümmungen (deshalb zu Beginn schön viel wässern damit er grade wächst - hiess bei mir anfangs alle 30 min / pro Tag ein Fläschchen für 25€) ja hab bestimmt so 150€ nur an Tropfen ausgegeben.
Für die Mädels heisst das wasserfeste Wimperntusche - mit den Tropfen sieht man aber auch so immer verflennt aus - dann muss man noch die Typänderung berücksichtigen - wer vorher eine Brille getragen hat muss ohne nicht unbedingt besser aussehen - manchmal war die Brille das einzig interessante im Gesicht und hat auch von kleinen Fältchen um die Augen abgelenkt. Ich war mir vorher im Klaren das ich die OP nur aus Eitelkeit mache - deshalb war der Psychodruck die ersten Tage und kurz vor OP erheblich - so richtig mit Träumen das ich erblinde - und hinterher als ich immernoch nicht scharf sehen konnte die nagenden Selbstvorwürfe - nach 3 Monaten legt sich das dann zum einen hat man sich an das andere Sehen gewohnt zum anderen lässt die Trockenheit und die extremen Sehschärfeschwankungen bei Müdikeit , Wind im Auge, langes Computerarbeiten ab. (geht aber nicht ganz weg)
Wann sollte man sich Operieren lassen - jeder Zeitpunkt ist eigentlich schlecht - im Sommer ist es zu trocken im Frühjahr und Herbst zu windig im Winter machen einem die Heizungen mit ihrer trockenen Luft zu schaffen - ich würde Feb/ März sagen dann ist man zum Sommer schon aus dem gröbsten raus (2 Monate) und kann schwimmen baden etc. im Winter könnt ihr das saunieren nach der OP vergessen - geht mir jetzt noch so das ich dann hinterher einen Knick in der PUpille habe. Was ich vorher nicht wusste wie sich das auf die tägliche Computerarbeit auswirkt - ja Arzt hat gesagt sie können schon am nächsten Tag wieder arbeiten gehen - aber 10h auf den Computer starren kann man erst 3 Monate später oder man träufelt munter mit Tropfen den ganzen Tag :-( und selbst die Tropfen verlieren irgendwann die Wirkung die Hornhautkrümmung zu korrigieren - so kommt es dass man nach einem langen Tag nix machen kann als die verschwommene Sicht zu akzeptieren.
Ein Trost bei mir ist, dass ein Auge einigmassen gerade geworden ist - somit kann ich viel darüber kompensieren - wie überhaupt sich die Sehe erstaunlich den Bedingungen anpasst - ähnlich wie früher wo man zu faul gewesen ist alle halbe Jahre zum Optiker für neue Gläser zu gehen und dann nach 1 Jahr bass erstaunt war, wieviel neue Gläser ausmachen. Naja das Gefühl wird es jetzt nicht mehr geben - denn es gibt keine Brille der Welt die alle Artefakte nach der OP beseitigen kann. Und wer richtig Pech hat - naja aber das ist je keiner von uns oder ?
Und abschliessend noch der Tip für Leute die die Augen wirklich für den Job brauchen - für die 10 Jahre zwischen 35 und 45 wo man die OP machen sollte weil sich dann das Auge nicht verändert / hinterher kommt ja wieder die Altersweitsichtigkeit - lohnt es sich nicht denn die Sehartefakte aus der OP bleiben - macht es lieber nicht - es ist nicht vergleichbar mit einer guten Brille oder guten Haftschalen.
Fazit - da ich nix sehen muss auf Job und noch unverheiratet bin - geniess ich halt die Vorteile die´s bringt beim Schwimmen Segeln coole Sonnenbrille tragen - Mädels stehen eh nicht auf Brillenträger - die sind da darwinistisch orientiert - und den ein oder anderen Bekannten den ich nicht auf der Strasse grüsse kanns auch egal sein - die erkennen ein ja auch die erste Zeit ohne Brille nicht wieder.
Für weitere schonungslose Antworten stehe ich zur Verfügung.

Endlich mal einer, der nicht nur jubelt ...

Verfasst: 03.10.2003, 11:14
von leo-bln
Gratuliere! Ich hatte mich schon gewundert, warum es fast nur positive Berichte gibt. Da dachte ich mir, hier geht's nicht mit rechten Dingen zu. Ich war auch entschlossen zu einer Lesek und bei einer Voruntersuchung und alles klang ganz prima. Nachdem ich danach begeisternd mit Freunden sprach (die selbst im med. Bereich arbeiteten) und die mir dringend abrieten, suchte ich im Web nach Langzeitberichten. Fast nicht aufzufinden ...

Mir kamen Zweifel und ich sagte den OP-Termin erstmal ab. Jetzt hab' ich 'ne Rechnung von 402,81 Euro am Hals ...

Gruß
Uwe

Re: Was ich vorher über LaserOp hätte wissen wollen

Verfasst: 03.10.2003, 12:20
von gast
Ralf,

Schöner Bericht. Klar, refraktive Chirurgie ist nicht perfekt. 0,0 Dioptrien werden nie genau getroffen. Natürlich haben auch Normalsichtige keine 0,0 Dioptrien (Die Bevölkerung liegt ja im statistischen Mittel in der Weitsichtigkeit). Hättest du eine Prk gemacht, würdest du die Welt vielleicht ganz anders sehen. Refraktive Chirurgie kann sich von Fall zu Fall auch zwischen 20 und 60 Jahren lohnen. Es kommt auch darauf an, wieviel Wert man auf seine Sehschärfe legt. Viele sind mit 0,5 Dioptrien einfach glücklich. Und fixier dich besser nicht auf irgendwelche Darwinismustheorien. Niemand kann die Zukunft vorhersagen. Das läßt viel Raum für Optimismus.

sehr ehrlicher Bericht... lobenswert

Verfasst: 03.10.2003, 12:51
von Thierry
Eine sehr angebrachte Ehrlichkeit, v.a. um auf dieser Seite eine "andere Meinung" zu präsentieren.

Re: Was ich vorher über LaserOp hätte wissen wollen

Verfasst: 03.10.2003, 14:30
von Gast
Ich bin der gleichen Meinung. Gratuliere zu diesem langen und offenen Bericht. Die Ärzte verbringen vorher (aufgrund des zu erwartenden Gewinnes) viel Zeit damit, die Sache schönzureden und Risiken nur ganz kurz anzuschneiden. Wenn man aber danach wirklich Probleme hat, kann man im Regen stehenbleiben. So war es zumindest bei mir. Ich habe seither auf einem Auge massive Probleme mit dem Kontrastsehen und habe schon öfter Beiträge ins Forum gesetzt, mit wenig Resonanz. Also dachte ich mir, naja, hast halt Pech gehabt, kommt anscheinend nicht so oft vor. Denn, man liest hier ja meistens positive Berichte. Mir fällt mein Problem jetzt in der dunkler werdenden Jahreszeit auch tagsüber und nicht nur in schlecht beleuchteten Räumen auf, von nachts ganz zu schweigen. Ich kann mir jetzt überlegen, ob ich nochmal die Untersuchungskosten in einer anderen Klinik auf mich nehme und evtl. noch mal nachlaseren lasse. Ob ein defektes Kontrastsehen überhaupt zu reparieren ist, habe ich bis jetzt leider noch nicht rausfinden können. Aber etwas mehr Aufklärung vorher und etwas mehr Engagement des Arztes bei nachfolgenden Problemen wäre vielleicht auch angebracht.
Allen, die es noch vor sich haben, trotzdem viel Glück.