Hallo liebes Forum,
nachdem ich mich nun etwa vier Monate mit der Vorbereitung auf das Ende meiner "Sehbehinderung" beschäftigt habe, ist es nun soweit. Am 13. September 2007 werde ich operiert.
Da auch ich hier immer nach Informationen gesucht habe, möchte ich nun meine Erfahrungen bei der Entscheidungsfindung zum Besten geben. Dieser Bericht wird lang werden, da ich hier nicht über die OP als solche berichten werde, sondern ich möchte aufzeigen, welche Schritte ich im Vorfeld gegangen bin, bis klar war, wie ich mich entscheide. Es gab für mich dabei soviele Faktoren zu berücksichtigen, von denen ich hier erzählen möchte. Denn eins ist wohl klar, wer verantwortlich mit seinem Augenlicht umgehen möchte, sollte dieses Thema nicht behandeln wie einen Friseurbesuch. Manchmal gewinnt man bei einigen Erfahrungsberichtlern den Eindruck, dass sie sehr blauäugig an die Sache herangehen. Am liebsten würden Sie sich anscheinend beim gleichen Arzt noch ein bißchen die Lippen aufspritzen oder hier und da noch ein bißchen Botox setzen lassen.
Meine Ausgangswerte betragen -7,00 -0,25 und -5,25 -0,50
Brille trug ich seit meinem 7 Lebensjahr. Lange Zeit störte mich die Brille überhaupt nicht, im Gegenteil, ich empfand sie oft als modisches Accessoire. Was mich aber immer gestört hat, war Brille und Sport treiben, besonders schwimmen. Und natürlich die Sommermonate, in denen man leider nur unatraktive "Sehbehinderten- Sonnenbrillen" tragen konnte und nicht die wirklich coolen Sonnenbrillen.
Nachdem ich 35 Jahre Brille getragen habe, ging ich dann zu Kontaklinsen über, die ich bis heute sehr gut vertrage und die für mich ein ungeheures Plus an Lebensqualität bedeuten. Dies möchte ich jeztzt noch steigern, indem ich auf jede Sehhilfe verzichten möchte.
Den Plan Augen-OP wollte ich systematisch angehen und nichts überstürzen. Ich machte zunächst einen Termin bei meinem Augenarzt und fragte ihn, was er von meinem Vorhaben hält und ob bei meiner Fehlsichtigkeit eine Lasik überhaut möglich sei. Mein Augenarzt war sehr aufgeschlossen und riet mir zu einer OP. Er meinte,dass auch bei meinen Werten durchaus mit einer 100 % Korrektur zu rechnen sei. Eventuell hätte ich noch 0,5 oder 0,25 Dioptrin. Dafür bräuchte ich aber keine Brille mehr . Auch fragte ich meinen Arzt, was er von einer OP im Ausland halten würde. Er sagte mir, dass er da die Türkei empfehlen würde, weil hier bereits seit langem auf hohem Niveau operiert würde. Außerdem hätte er in seiner Praxis schon mehrere Patienten gehabt, welche die Op in der Türkei durchgeführt haben und die Ergebnisse seien sehr hervorragend gewesen.
Er bot mir auch an, die Nachuntersuchungen durchzuführen, falls ich mich für eine Op im Ausland entscheiden sollte
Ein weiteres Thema war für mich die Alterssichtigkeit. Ich bin jetzt 46 Jahre alt und leide noch gar nicht darunter, was mir mein Augenarzt auch noch einmal bestätigte. Er sagte mir auch, dass diese nach einer OP aber schnell kommen würde und ich mit einer Lesebrillen leben müßte. Eine Alternative wäre noch "Monovision", ein Begriff der mir bis dahin gar nichts sagte. Er erklärte mir, dass man ein Auge nicht voll korrigieren würde, sodass man mit diesem Auge besser in der Nähe sehen könnte.
Ich frage ihn noch nach einer Klinik in der Nähe, welche er mir empfehlen würde. Er nannte mir eine Klinik in Köln.
Ich fing an im Internet zu suchen und stiess auf einige Kliniken, die sehr informative Seiten hatten, sodass ich schnell zum "Experten" in Sachen Augen OP wurde. Interessant fand ich auch zwei Kliniken in Istanbul
Mir wurde schnell klar, dass bei meiner Fehlsichtigkeit eine Lasik OP nicht so sicher ist. Und wenn, dann wohl eher eine Femto Lasik. Hier war ich vor allem auch an einer Klinik in Istanbul interessiert, deren Femto der 2. Generation mir vertrauenswürdiger erschien. Am meisten sprach mich persönlich die andere Klinik in Istanbul an. Ich ging aber davon aus, da man hier nur die OP mit Keratomschnitt anbot, dass dies bei meiner hohen Fehlsichtigkeit nicht in Frage kommen würde.
Abhängig ist dies halt alles in erster Linie von der Hornhautdicke, wie sich auch in meinem Falle noch herausstellen sollte.
Ich besuchte den Informationsabend der Klinik in Köln, die mir mien Augenarzt empfohlen hatte. Der Abend war gut besucht. Man hatte einen Patienten da, der schon vor 5 jahren operiert wurde und dem man auch Fragen stellen konnte. Da ich mich im Vorfeld schon sehr umfassend informiert hatte, brachte der Abend für mich nichts neues, war aber für die bis dahin noch wenig oder garnicht Informierten durchaus aufschlussreich. Die Voruntersuchung folgte einige Wochen später.
Diese Voruntersuchung bedeutete für mich nicht, dass ich die Op auch in dieser Klinik durchführen lassen würde. Ich wollte auch noch andere Wege beschreiten und weitere Meinungen einholen.
Für mich waren auch die Kosten der OP ein Kriterium, wenn auch nicht das Hauptkriterium. Wenn es jedoch um Kosten geht, stößt man natürlich auf die Op im Ausland. Das lehne ich nicht grundsätzlich ab. Ich denke das die arrogante Haltung der Deutschen, nur im eigenen Land gibt es Qualität, gerade bei der Lasik völlig fehl am Platze ist. Ich glaube, dass es zum Beispiel in der Türkei genauso gute, wenn nicht bessere Ärzte gibt.
Lieber wäre mir eine OP in der Nähe meines Wohnortes nur deswegen, weil der Arzt im Falle eines Falles schneller greifbar wäre.
Daher meldete ich mich bei
www.lasikpreisvergleich.de an, um vielleicht in Deutschlad ein günstiges Angebot zu bekommen.
Es meldeten sich vier Kliniken. Die günstigste mit einem Angebot von 2000 EUR war in Frankfurt, etwa 300 km von meinem Wohnort entfernt. Die zweitgünstigste in Köln mit 2300 EUR, nur 50 km entfernt( übrigens nicht die Klinik, welche mein Augenarzt empfahl). Die anderen Kliniken waren teurer und noch weiter entfernt. Ich entschied mich daher, mir die Klinikdaten von Köln übermitteln zu lassen. Schon per E-Mail teilte man mir mit, dass ich eine Lasik wohl vergessen könnte, da meine Werte zu hoch seien. Es käme wohl eher eine Linsenimplantation in Frage. Hätte ich auch nichts gegen. Also rief ich an und man steurte auch sofort wieder auf eine Implantation zu. Der Preis sollte 5900 EUR betragen. Auf meinen Einwurf, dass ich erstmal die Voruntersuchung abwarten möchte, teilte man mir mit, dass diese 300 EUR kosten sollte, wenn ich die Op nicht bei Ihnen durchführen lassen würde. Diese Vorgehensweise gefiel mir nicht und die Preise empfand ich auch zu hoch. Wenn man vor vorneherin der Auffassung ist, meine Werte seien zu hoch, dann würde ich kein Gebot für eine Lasik abgeben. So entsteht der Eindruck der Köderung für eine teurere Variante. Und die Kosten für die Voruntersuchung mit 300,00 EUR empfand ich auch als zu hoch.Ich machte keinen Termin. Die Kliniken die noch geboten hatten, kamen für mich nicht in Frage, weil der Zeit- und Kostenaufwand der Anreise genauso hoch ist, wie nach Istanbul zu reisen wo die Lasik aber deutlich billiger ist.
Dann stand die Voruntersuchung in der Klinik an, welche mein Augenarzt empfohlen hatte. Nun sollte ich also endlich mal erfahren, was bei mir machbar ist, denn bis dahin fischte ich ja immer im Trüben.
Dann das Wunder, ich habe eine super dicke Hornhaut von rund 600 µm, sodass einer Lasik nichts im Wege steht und zwar auch einer "normalen" Keratom-Lasik nicht.
Ich muss sagen, dass ich rein gefühlsmäßig der Femto-Lasik kritisch gegenüber stehe. Durch den hohen Druck der bei der Fixierung auf das Auge ausgeübt wird und der Wartezeit bis zum eigentliche Lasern, würd ich mich rein intuitiv nicht wohl fühlen.
In der Klnik sagte man mir, eine Lasik mit Keratomschnitt wäre machbar, man würde aber zu einer Femto raten (pro Auge 500 EUR mehr), da meine Hornhaut sehr steil wäre und daher schlecht zu fixieren. Falls es Probleme mit dem Schnitt gebe, könnte der Femto besser korrigieren.
Ich war nicht alleine bei der Voruntersuchung. Ein Freund liess sich ebenfalls untersuchen. Hier die Mitteilung, seine Hornhaut sei ungewöhnlich flach, daher auch hier der Rat zur Femto.
Medizinisch notwendig oder lukrativer für die Praxis???
Am Ende habe ich mich gegen diese Klinik entschieden, aber aus ganz anderen Gründen. Ich fühlte mich zu sehr gedrängt und sollte sofort die Zustimmung zur OP unterschreiben. Man argumentierte am Tag der OP sei es aus rechtlichen Gründen nicht mehr möglich. Ich kenne mich da zwar nicht aus, aber es erschien mir irgendwie Nonsens zu sein. Wenn ich einer Not-OP zustimmen muss, kann ich das doch auch nicht Tage oder Wochen vorher tun.
Entscheidend war für mich aber die menschliche Seite. Diese Operation am Auge ist für mich neben dem technischen Ablauf vor allem auch eine sehr emotionale Sache, sodass ich gegen "Händchenhalten" nichts hätte. Daher erscheinen mir Warmherzige Menschen für meine Bedürfnisse besser geeignet.
Mein Fazit:
Es gibt viele gute Operateure, wie man den Erfahrungsberichten entnehmen kann. Die Entscheidung für den Arzt kann nur jeder selber unter Abwägung der für ihn wichtigen Faktoren treffen. Geld, so meine ich, sollte dabei nicht an erster Stelle stehen, spielt aber für die meisten von uns eine nicht unerhebliche Rolle. Die Preise in Deutschland empfinde ich zum Teil als nicht nachvollziehbar hoch.
Für sehr wichtig erachte ich auch den eigenen Umgang mit der OP im Vorfeld und vor allem auch bei der Nachsorge. Eine Augenoperation ist eben kein Kinobesuch. Dieses Forum belegt ja im Grunde wie wichtig den Menschen ihr Sinnesorgan "Auge" ist, also sollte man auch eigenverantwortlich damit umgehen.
Ich persönlich habe mich für eine Ärztin entschieden, die als gute Operateurin gilt und die von den Patienten immer wieder als bescheiden und warmherzig gelobt wird. Ich möchte von keinen arroganten Göttern in weiss operiert werden. Ich werde wahrscheinlich vor und während der Operation sehr aufgeregt sein und gerade dann tut ein bißchen menschliche Wärme ganz gut. Dies ist für mich der wichtigste Aspekt, neben der handwerklichen Leistung. Der Preis ist, da die Op in Istanbul durchgeführt wird, günstig. Hätte ich einen entsprechenden Arzt in Deutschland gefunden, wäre ich auch bereit gewesen hierfür mehr zu bezahlen.
Für die Nachuntersuchungen habe ich bereits entsprechende Termine bei meinem Augenarzt daheim gemacht.
Nach meiner OP werde ich mich wieder melden.
Gruß
Michel