Hi Stefan,
so wie du es beschreibst, haben wir es hier wahrscheinlich nicht mit Halos (im klassischen Sinn), sondern mit dem Problem der Doppelbilder zu tun.
Dies tritt häufiger auf. Meistens dann, wenn vor der OP ein Auge einen signifikant höheren Sehfehler hatte und die Versorgung mit Brille oder Kontaktlinsen diesen Fehler nicht vollständig ausgleichen konnte. Grade bei starken Astigmatismen ist eine vollständige Korrektur sehr problematisch, da optische Gläser/ Kunststoffe zylindrisch nicht ausreichend ausgeschliffen werden können ( mein Optiker bekam immer Weinkrämpfe, wenn ich mal wieder mit einer neuen Verordnung ankam

)
Um dir den Vorgang zu beschreiben, muss ich etwas weiter ausholen:
Ein Auge ( das schwächere) lieferte bisher unzureichende Informationen an dein Gehirn (unscharfe Bilder). Mit der Zeit wurden diese Informationen dann soweit gefiltert, dass sie für den Gesamtvorgang des Sehens nicht mehr relevant waren.
Um dies zu verstehen, muss man sich zunächst erstmal mit dem neuronalen Sehen beschäftigen. Von beiden Augen gehen die sog. Sehbahnen aus. Diese Nervenbahnen bilden die Verbindung zu den Sehzentren des Gehirns. Etwa auf halben Wege zu den Sehzentren kreuzen sich die Sehbahnen und ca 50 % der beteiligten Nervenzellen wechseln die Seite. Also wandert ein Teil der Impulse des rechten Auges zum linken Sehzentrum und umgekehrt. Dies ist u.a. für das räumliche Sehen wichtig.
Die Sehzentren bekommen also eigentlich zwei unterschiedliche Bilder ( Bildinformationen) angeliefert die zur Deckung gebracht werden müssen, um schlußendlich ein dreidimensionales Bild im Gehirn entstehen zu lassen..
Wenn nun 50 % der Information nicht zu gebrauchen bzw. fehlerhaft ist, dann greift das Gehirn auf die restliche Information zurück um doch noch ein ( relativ) klares Bild zu erzeugen. Der Rest wird nicht mehr verarbeitet. ( u.U. ist das räumliche Sehen eingeschränkt oder nicht vorhanden)
Nach der OP hat sich nun das Bild ( im wahrsten Sinne des Wortes) gewandelt. Deine Sehzentren bekommen nun plötzlich die volle Informationsflut geliefert. Da es aber über Jahre hinweg darauf getrimmt war, quasi nur 50% ( du warst im neuronalen Sinn sozusagen einäugig) zu verarbeiten, führt das zu Problemen . Dein Sehapperat muss verschiedene Dinge neu erlernen, die bisher nicht gebraucht wurden. Dazu zählt u.a. auch die Koordination der Seheindrücke. Insbesondere ist hier die Augenbewegung bzw. die Steuereung der Augen wichtig. Normalerweise geschieht die Steuerung gleichmäßig in beiden Achsen. Dies ist notwendig um immer ein deckungsgleiches, räumliches Bild zu erhalten ( Chameleons bewegen z.B ihre Augen unabhängig von einander um eine Beute anzupeilen. Hat ein Auge etwas entdeckt benutzen sie aber beide synchron, um die Entfernung ab zuschätzen).
Im Moment hat dein Gehirn (Sehzentrum) Probleme, aus den nun vorhandenen Informationen die Koordination der Augenbewegung so zu lenken, das sich beide Bilder wirklich decken. grade wenn du einen Punkt fixierst, kann es zu Abwanderungen/ Verschiebungen kommen.
Was bedeutet das nun für dich. Aus meiner Sicht der Dinge erstmal, dass du dich wohl noch ein wenig gedulden musst, bis sich die Sache einpendelt. Etwas, das über Jahre eingebrannt wurde, vergisst das neuronale Netzwerk deines Gehirns nicht über Nacht. Der Lernprozess kann u.U. sogar mehrere Monate bis Jahre dauern ( Ich betone "KANN"!).
Es gibt leider kaum eine Möglichkeit den Prozess der Adaption signifikant zu beschleunigen. Eventuell könnte dir ein Sehtraining helfen. Dies muss aber unbedingt von einem Facharzt verordnet und abgestimmt werden, wenn "mechanische" Ursachen ( wie in meinem letzten Post beschrieben) ausgeschlossen werden können.
Nach 7 Wochen befindest du dich zwar weitgehend am Ende des Heilungsprozesses was das Gewebe der Hornhaut bzw. des Epithels betrifft, der übrige Anpassungsprozess ist aber erst am Anfang.
Ich kann und werde von dieser Stelle keine Prognose stellen, ob wie und wann die Adaption vollendet ist. Dies kann dir nur ein Facharzt nach einer nochmaligen Diagnostik unter Einbeziehung der psycho-optischen Aspekte mit einem Mindestmaß an Wahrscheinlichkeit sagen. Aber ich will dir auch nicht gleich zu düstere Aussichten präsentieren. Die Chancen sind recht gut, dass du die "Störung" nach einer gewissen Zeit kompensieren kannst.
Zum weiteren Vorgehen lautet meine Empfehlung: Wende dich an einen Augenarzt und weise ihn explizit auf die Doppelbilder und die Situationen hin, in denen sie auftreten . Wenn rein optische Effekte aus medizinischer Sicht ausgeschlossen werden können, sollte eigentlich jeder Arzt weitere, neuronale Möglichkeiten in Betracht ziehen und eine entsprechende Verfahrensweise vorschlagen bzw. einleiten. Wenn nicht ( auch dafür gibt es Gründe), darfst du nicht die Geduld verlieren ( ja ich weiß, es IST störend), und musst dir bzw. deinen Sehzentren die Zeit lassen, zu lernen.
Gruß
Pinbot