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Eine Lasik, die zum absoluten Desaster wurde!

positiver als auch negative persönliche Berichte vor / nach LASIK, Femto-LASIK, LASEK, Epi-LASIK, PRK...

Moderator: Frankyboy

Eine Lasik, die zum absoluten Desaster wurde!

Beitragvon BeKaIl » 16.01.2017, 13:56

Hallo!

Nachdem ich hier lange Zeit ein stiller Beobachter des Forums gewesen bin, möchte ich euch nun mal über meine Erfahrungen berichten. Ich hoffe damit diejenigen zu erreichen, die sich eine Augenlaser-OP überlegen und sie auf das hinzuweisen, was alles passieren kann. Eine Lasik ist in den allermeisten Fällen, wenn sie fachgerecht durchgeführt wird, eine sichere und gute Sache, aber wenn es euch trifft, kann es Existenzen zerstören und daher lautet meine Empfehlung: MACHT ES NICHT!!!!!!!! Aber dazu später mehr, nun zu meiner Geschichte, die eine ganze Verkettung von unglücklichen Fällen beinhaltet:

Eine Brille trug ich seit dem ich 12 war. Irgendwann stieg ich auf Kontaktlinsen um, weiche natürlich, Monatslinsen die mir bei Apollo-Optik angepasst wurden, also ganz normale Austauschlinsen. Mit diesen kam ich hervorragend klar, konnte sie 16h am Tag tragen, jeden Tag und das ohne jegliche Probleme. Ich hatte mir nie darüber Gedanken gemacht, hatte immer die allerbesten Linsen bei Apollo bestellt und sie mehrere Jahre getragen. Brille gab es nur in wenigen Ausnahmefällen (Gerstenkorn im Auge zB) oder wenn ich im Bett noch was lesen wollte. Irgendwann waren meine Augen gerötet und reagierten allergisch auf die Linsen, nicht mal einige Stunden konnte ich sie tragen. Mein Augenarzt stellte ein gereiztes Auge und eine beginnende Neovaskulisation fest. Linsen sollte ich die nächsten Wochen erstmal nicht tragen. OK, dachte ich mir, also ging es mit der Brille weiter. Mit dieser konnte ich allerdings nicht anfreunden. Wenn man so lange Linsen getragen hat, stört einen einfach alles, das eingeschränkte Blickfeld, der Druck auf der Nase, der Druck hinter den Ohren, schmutzige Brillengläser. Das dümmste aber war, dass ich über meinem rechten Ohr so einen empfindlichen Nervenpunkt besitze, der bei Berührung Schmerzen auslöst, weshalb ich auch sehr ungern Mützen oder Helme trage. Und eine Brille 16h am Tag kam mir immer an diesen empfindlichen Punkt, weshalb ich mit der Brille echt schmerzen hatte (jede Brille verläuft oberhalb des Ohres in dieser Kuhle zwischen Ohr und Kopf, es geht ja gar nicht anders). Das hat mich sowas von gestört, dass ich nochmal bei anderen Optikern war und Augenärzten, und immer die Aussage hörte, dass Kontaktlinsen bei mir einfach nicht gingen (was im Nachhinein völliger Blödsinn ist) und ich ab sofort nur noch Brille tragen kann. Zu dieser Zeit wohnte ich beruflich bedingt gerade im Ausland. (es handelt sich um ein westliches, hochentwickeltes Industrieland, nicht USA). Von vielen Freunden hörte ich auf einmal von den Laser-OPs, alle waren zufrieden, schwärmten geradezu von der neuen Lebensqualität (es waren bestimmt 5-6 die mir das erzählten). Ich war zwar skeptisch, aber der Traum von einem brillenfreien Leben ohne Kontaktlinsen schien möglich. Ich ging in die Hornhautsprechstunde in einem sehr renommierten Krankenhaus, indem der Chef auch Laser-OPs durchführte. Er wurde mir von zwei sehr guten Freunden empfohlen. Also keine Laserkette, sondern ein Corneaexperte auf Weltniveau, der auch Laser-OPs im Rahmen der Uniklinik durchführt, vergleichbar mit Prof. Kohnen in Deutschland. Er erklärte mir nochmals die Gefahren von Kontaktlinsen (da gibt es ja anscheinend 10 mal mehr Komplikationen als bei Laser-OPs, alles absoluter Blödsinn im Nachhinein, aber was soll ich sagen, ich habe es ihm geglaubt. Diese Statistiken beziehen sich auf die Wahrscheinlichkeit einer Infektion bei Laser-OPs im Vergleich zu 10 Jahren Dauertragen, also jeden Tag 16h von Kontaktlinsen. Eine Infektion von einer Laser-OP hat aber fast niemand, die Probleme sind ganz anderer Natur). Ich ging also zur Voruntersuchung in die Sprechstunde für refraktive Chirurgie. Natürlich war ich geeignet, der optimale Kandidat für eine Lasik. Meine Brillenwerte waren:

Rechts: -4.75
Links: -5 und -1.25 Astigmatismus.

Und außerdem waren die Werte seit 4 Jahren stabil. Die Voruntersuchungen waren extrem gründlich, bestimmt 2h an Tests und anschließend saß der Prof. höchstpersönlich mit einer Gruppe von Operationswilligen ca. 45 min an einem runden Tisch und klärte, so wie ich dachte, über alle Risiken ausführlich auf und danach konnte man auch noch Fragen stellen. Im Nachhinein war die Aufklärung ein Witz, aber damals habe ich sie geglaubt. Er sagte zB dass Halos, Doppelbilder und dergleichen de facto seit Einführung der Wellenfront-Lasik und den anderen modernen Abtragungsprofilen de facto nicht mehr vorkommen (außer in den ersten Monaten nach der OP, dies sei aber nur vorübergehend). Zu kleine optische Zonen und dezentrierte Abtragungen wurden gar nicht erwähnt. Ektasien gibt es seit Anfang der 2000er Jahre auch nicht mehr und wenn, dann stehen sie nicht im Zusammenhang mit der Lasik, da die Wahrscheinlichkeit für Keratokonus in der Bevölkerung ja auch so bei 1:1000 in etwa liegt. Usw. und so fort. Außerdem könnten wir mit jeglichem Problem zu ihm in die Uniklinik kommen, er würde uns immer behandeln und er gab uns auch seine private Handy-Nr. Natürlich habe ich tiefgründig über diese OP recherchiert, aber ich war wirklich total überzeugt und dachte, dass fast alle Komplikationen von unsachgemäßer Auswahl der Patienten entstehen, vor allem bei Weitsichtigkeit und vor allem bei Laser-Ketten. Ich sollte mich schwer irren. Ich unterzog mich also im September 2014, in meiner vollsten Überzeugung, einer Lasik-OP und es begann ein nicht enden wollender Alptraum.

Kurz nach der OP bemerkte ich auf meinem linken Auge, vor allem bei Dunkelheit, Doppelbilder und Straheln, also Ghostings und Starbursts. Der ach so tolle Professor sagte, es sei alles super, mein Visus sei doch 1.0 (die übliche Leier) und der Rest komme vom trockenen Auge, alles vergänglich. Nachdem es nicht besser wurde, ging ich wieder hin und er entdeckte Erosionen auf der Hornhaut links und behandelte diese mit Salben und Kortisontropfen. Rechts war alles ok und er meinte, wenn die Erosionen weg seien, werde ich auch gut sehen und rief zur Geduld auf. Nachdem auch nach 3 Monaten bei meinem rechten Auge die Starbursts und Halos anfingen, verschrieb er die gleiche Therapie auch für das rechte Auge. Viele weitere Besuche später, als die HH schließlich total glatt war und auch - seiner Meinung nach - die Topographie und die Wellenfront-Analyse vollkommen in Ordnung sei, meinte er zu mir: Ich weiß nicht, was sie von mir wollen, es ist alles in Ordnung und er begann es auf die psychische Schiene zu drücken, begann was von mangelnder neuronaler Adaption zu faseln, erzählte was von Phantomsehen (wie Phantomschmerz bei Leuten, bei denen der Schmerz nur psychosomatisch sei) usw. und so fort. So ein Quatsch!!! Ich wurde daraufhin wirklich depressiv, suchte einen Psychiater auf, meine Leistungen auf der Arbeit ließen stark nach, ich wusste nicht was los war. Ich suchte einen anderen Arzt auf, der zwar auch nicht wirklich sagen wollte, was los war (klar, mein Operatuer galt in dem Land als Gold-Standard, schrieb alle Gutachten für Ärzte vor Gericht, wer will sich mit dem schon anlegen), aber er verschrieb mir immerhin Alphagan um die Pupille zu verkleinern und ich sah auf Anhieb viel besser nachts. Also hatte ich die Vermutung, dass da was im Busch war. Dann passierten ganz merkwürdige Dinge. Im Mai 2015 erlitt ich plötzlich eine leichte Hirnblutung, ausgelöst durch einen gutartigen Gefäßtumor im Stammhirn. War dann drei Wochen krank geschrieben, erholte mich von diesem allerdings sehr gut. Einen Monat später begannen auf einmal ganz merkwürdige Sehschwankungen auf meinem bis dato besseren, rechten Auge. Ich hatte nur noch einen Visus von 0.4, korrigiert 0.7. Ich unterzog mich in der Folgezeit 1 000 000 Tests, bei Neurologen, sowie von Augenärzten, was da nicht alles vermutet wurde, Netzhautretinopathie, erneute Hirnblutung, Glaskörpertrübung, Keratokonus, etc. Es wurde total abstrus. Ich ging noch ein letztes Mal zu meinem Operatuer, er meinte aber lediglich zu mir "Also bei Ihnen ist irgendwas ganz komisch. Aber an der HH liege es nicht, da ist alles in Ordnung. Aber das können sie ganz leicht nachprüfen, in dem sie sich harte Kontaktlinsen anpassen lassen. Wenn harte CL helfen, liegt es an der HH. Kommen Sie nochmal in einigen Monaten zu mir." Dann ging ich in dem Land noch zu einer anderen Koryphäe, zu der ich weit angereist bin. Dieser wollte mich auch dann auf dem rechten Auge (rechts (!!!!!!!), nicht links) nachlasern, weil er meinte, dass die HH unregelmäßig sei und die Zone zu klein. Da mein rechtes Auge aber so schwankte, ließ ich die Finger davon, trotz des immensen Leidensdrucks. Es ging mir psychisch mittlerweile so schlecht, dass ich wg. Depressionen krank geschrieben war. Ich beschloss daraufhin, unbezahlten Urlaub zu nehmen und zu einer weiteren Abklärung nach Deutschland zu fahren. Ich war mir sicher, dass hier irgendwas faul ist und dass es mir verschwiegen wird, denn im Ausland kann man Ärzte viel leichter verklagen, als in Deutschland. Ich wollte Ärzte sehen, die meinen Erstoperateur nicht kannten oder zumindest nicht persönlich.

In Deutschland besuchte ich dann alle bekannten Namen, die hier auch im Forum empfohlen wurden: Maus, Knorz, Kohnen und schließlich Seiler. Dies war im November 2015.Bis dahin hatte sich mein rechtes Auge wieder stabilisiert und erreichte wieder unkorrigiert 0.8, mit leichter Korrektur einen Visus von 1.0 und Probleme hatte ich wiederum nur nachts, am Tag war eigentlich alles gut. Also war mein linkes Auge, welches die ganze Zeit die Ghosting-Probleme hatte, das Auge was ich evtl. nachlasern lassen wollte Jetzt mal zu den Experten:

Maus: Attestierte mir links ein hohes Coma und Aberrationen und wollte wellenfrontgeführt nachlasern. Ich könne mit einer großen Wahrscheinlichkeit rechnen, dass es deutlich besser wird.

Knorz: Meinte, er wisse nicht genau, ob er mir helfen kann, deshalb möchte er bei mir lieber nix machen. Er sagte dann auch, es könne an einer mangelnden neuronalen Adaption liegen, sagte aber auch, dass seine Geräte nicht so gut seien, um Aberrationen so exakt zu messen und ich lieber nochmal zu Kohnen oder Seiler gehen sollte, aber auf keinen Fall zu Maus, da würde eher er von abraten. Genial, dachte ich mir........ Am Ende fand ich heraus: Knorz besitzt einen Aberrometer von Bausch&Lomb, hat aber seit neuestem den Wavelight-Laser, ergo ist bei ihm eine wellenfrontgeführte Ablation gar nicht möglich, daher leitete er mich wohl weiter.

Kohnen: Die Untersuchungen bei Kohnen waren sehr ausführlich, Kohnen selber sah ich allerdings nur 2 min. Er kam herein, schaute sich die Topos an, meinte zu mir "Ja, was ist das denn? Winzige Zone und irregulärer Abtrag. Da würde ich nachlasern." Alles weitere würden nun seine Mitarbeiter klären. Man würde die Daten an den Laserhersteller schicken und sich dann bzgl. eines möglichen Termines bei mir melden. Dies würde in der Regel 1-2 Monate dauern.

1.5 Monate später war ich schließlich bei Seiler in Zürich, wobei ich hier am längsten auf den Termin gewartet habe. Ich muss sagen, Seiler ist extrem sympathisch. Er hat sich sehr viel Zeit genommen, bestimmt 40 min oder sogar mehr. Er kannte meinen Primär-Operateur persönlich, weil er ihn in den 90ern ausgebildet hat, was das Lasern angeht und er war entsetzt. Dezentrierter Abtrag, zu kleine optische Zone, hohe Coma-Werte sowie sphärische Aberration. Aber die gute Nachricht, er könne es korrigieren. Dann gab es die nächste Überraschung: Der Flapschnitt war sehr unregelmäßig und viel zu tief. 120 um sollten es werden, 178 um sind es geworden. Wie man sowas hinbekommt, keine Ahnung, aber mein Reststroma betrug nur ca. 276um. Seiler betonte, dass es ein Fehler des Operateurs war, denn selbst wenn der Flapschnitt schief geht, muss man die OP abbrechen und nicht einfach weiterlasern, man merkt nämlich beim Anheben, wenn der Flap zu dick ist. Dann sollte man lieber eine Oberflächenbehandlung durchführen. Also blieb mir nichts anderes übrig, als eine PRK zu machen, sei aber nicht weiter schlimm, ist sicherer, dafür halt die lange Heilungszeit. Seiler wies mich auch darauf hin, dass es evtl. 2 OPs werden können, eine zur Vergrößerung der optischen Zone und zur Regularisierung und eine zur Behandlung der Refraktion und dem Restastigmatismus. Seiler benutzte vor einem Jahr (Januar 2016) den Alcon Wavelight-Laser und laserte mich wellenfrontgeführt auf dem linken Auge nach. Ich war mir sicher, dass ich endlich, nach einer ewigen Leidensperiode, am Ziel war. Seiler gilt ja nun wirklich als der erfahrenste Arzt für refraktive Chirurgie, vielleicht sogar auf der ganzen Welt. Alle haben ihn empfohlen, und ich war mir sicher, dass er keine OP riskieren würde, wenn es nicht absolut indiziert wäre und so war es dann wohl auch. Nach der OP war ich leider total Weitsichtig mit +1.5 Dioptrien und es war doch sehr unangenehm, da ich rechts -0.5 hatte und wenn man das ganze Leben kurzsichtig gewesen ist, ist die Umstellung schon krass. Nachdem ich einige Wochen so schwankenden Visus hatte, dass ich keine Brille anpassen konnte und schon ziemlich stark gelitten hatte wg des Unterschiedes, der bei mir Doppelbilder und Konzentrationsprobleme etc. auslöste, habe ich mir im April 2016 eine Brille mit folgenden Werten anpassen lassen:

R: -0.5
L: +1.5 und -0.75 Ast.

Ich war dennoch zufrieden, da meine Nachtsichtprobleme bestimmt um die Hälfte reduziert waren oder sogar noch mehr, der Unterschied war schon heftig auf einmal, aber doch erträglich, so konnte ich drei Monate mit der Brille ganz gut leben. Hauptsache die Ghostings und Starbursts und alles andere wurden besser. Im Juli 2016 sollte dann das linke Auge ein letztes Mal gelasert werden um nun auch die restliche Weitsichtigkeit und verbleibende Irregularität zu beseitigen. Mittlerweile hatte Prof. Seiler auch umgerüstet auf den Schwind Amaris 1050 RS mit SmartSurf Technologie. Ich war sehr zuversichtlich ganz nah am Ziel zu sein. Ich hatte auch überlegt, das ganze so zu lassen, aber auf Empfehlung von Prof. Seiler unterzog ich mich einer weiteren PRK.

In den folgenden Wochen hatte ich dann wieder das volle Programm, wie es nach der PRK üblich ist: Ghostings, Starbursts, etc. Als ich dann Ende August wirklich schlecht sah, machte ich einen Sehtest und hatte +1. Das war ein richtiger Schock, denn ich wusste, dass man bei der PRK zunächst überkorrigiert und dann langsam eine Regression eintritt. Wenn ich nach so kurzer Zeit bereits weitsichtig war, konnte das nur bedeuten, dass die Weitsichtigkeit nur noch schlimmer wird. So kam es dann leider auch, Ende September war ich bereits bei +2 und auch der Astigmatismus war genauso wieder da. Seitdem trage ich folgende Brille:

R -0.5
L +2 -0.75 Ast.

Ich habe also nach der OP, die meine Weitsichtigkeit verringern sollte, nur noch mehr Weitsichtigkeit. Nachdem ich nun die 6 Monate nach der PRK abgewartet habe, hat sich meine Refraktion seit September nicht mehr geändert. Dazu kommt, dass ich noch ein beträchtliches Ghosting habe, auch bei Tageslichtbedingungen, welches natürlich mit zunehmender Pupille stärker wird. Die Buchstaben auf der Tastatur sehe ich als Geisterbilder nochmal. Alles in allem ist mein Sehen subjektiv empfunden auch mit Brille noch schlechter als nach der ersten Lasik, und dazu kommt noch die Weitsichtigkeit, die ich vorher nicht hatte. Der Unterschied zwischen beiden Augen ist nun beträchtlich (Anisometropie) und lässt sich auch mit der Brille nicht optimal ausgleichen, was ein längeres Arbeiten am Bildschirm sehr erschwert. Dazu gesellen sich natürlich psychische Probleme und Selbstvorwürfe.

Vor kurzem war ich dann zur 6-Monatskontrolle nochmal bei Prof. Seiler in Zürich. Man sah Prof. Seiler an, dass er mit diesem Ergebnis überhaupt nicht gerechnet hatte und dass es ihm wirklich Leid tat. Ich kann auch Prof. Seiler überhaupt keinen Vorwurf machen, er wollte mir nur helfen, kann aber die Reaktion meines Gewebes und die Heilung natürlich nicht vorhersehen. Von einem weiteren operativen Vorgehen rät Prof. Seiler so lange ab, bis ich nicht sämtliche Kontaktlinsen durchprobiert habe. Der nächste Schritt bei mir ist also das Anpassen von harten Linsen, evtl. sogar Mini-Skerallinsen. Im Prinzip befinde ich mich aktuell in der Lage eines Keratokonus-Patienten, vielleicht mit dem kleinen Unterschied, dass ich mit Brille noch irgendwie halbwegs zurechtkomme, aber nicht vernünftig jeden Tag arbeiten oder Auto fahren kann.

Die ganze Katastrophe hat mittlerweile dazu geführt, dass ich vor ca. 1 Jahr meinen gut bezahlten Job im Ausland aufgegeben habe und nach Deutschland zurück gekehrt bin. Auch meine Ehe wäre fast daran zerbrochen (ist sie aber zum Glück nicht), da die ganzen Probleme der letzten 2 Jahre natürlich nicht spurlos an einem vorbeigehen. In den vergangenen Monaten litt ich, mal mehr und mal weniger, an Depressionen, an einem Psychotrauma, Burnout - da kann man sich was aussuchen, es ist da so ziemlich alles dabei. Ich bin gerade dabei die Speziallinsen bei einem Anpasser der Interlens anzupassen, über evtl. Erfolg und Misserfolg werde ich berichten. Zum Glück ist wohl mein Tränenfilm trotz dreimaliger OPs noch halbwegs intakt, sodass mein Anpasser recht zuversichtlich hinsichtlich einer erfolgreichen Anpassung der Linsen ist, aber das wird man sehen. Wenn das mit den Linsen nicht klappt, bietet mir Prof. Seiler noch zwei Anker an, die man sich überlegen kann:

Ein von ihm entwickeltes Verfahren "LIKE", welches sich allerdings noch in den Anfangsphasen einer Studie befindet. (Findet ihr bei google oder youtube) Dabei wird auf einem implantierten Lentikel gelasert, das heißt das Verfahren ist reversibel und dient der Korrektur von Hyperopie plus Aberrationen. Alles aber natürlich noch sehr experimentell und ohne Gewähr.
Weiterhin gäbe es noch die Möglichkeit einer lamellären Keratoplastik (DALK) als allerletztes Mittel. Aber auch da dauert die Heilung ein Jahr und danach muss man noch 1-2 Mal lasern bis ein akzeptables Ergebnis herausspringt. Und die Frage bleibt natürlich, ob man danach besser sieht!?
Eine evtl. Intraokkularlinse wäre auch eine Möglichkeit um zumindest den Unterschied zu verkleinern, wobei Prof. Seiler sehr ungern bei mir noch eine OP machen würde, bei der das Auge eröffnet wird, da eine HH im schlimmsten Fall noch ersetzt werden kann, im intraokkularen Bereich ist aber das Worst-Case Szenario deutlich schlimmer.

Meine Hoffnung sind also die speziellen Kontaktlinsen. Zu Prof. Seiler kann ich nur sagen, dass er seine Patienten nicht im Stich lässt und immer versucht, ihnen irgendwie weiter zu helfen, auch wenn es scheinbar noch so aussichtslos ist. Er hat mir auch gesagt, dass ich selbstverständlich auch immer wieder zu ihm kommen kann, auch ohne Wartezeit, er würde mich dann reinschieben, ich hätte da "Präferenz", was ich auch als Zeichen seiner Menschlichkeit werte. Nichtsdestotrotz bleibt festzuhalten, dass auch die beste Technik und der erfahrenste Operateur nicht weiterhelfen, wenn das eigene Gewebe nicht mitmacht. Die Lasik ist eine OP, die wirklich nicht notwendig ist. Man hofft immer, dass es einen nicht erwischt, und die Chancen dafür sind auch sehr klein, dass genau sowas passiert, aber wenn es einen trifft, sind die Konsequenzen verheerend. Es wird auch für mich eine Lösung geben, da bin ich mir sicher, nur dauert es alles sehr lange und nimmt viel Zeit in Anspruch. Unsere Augen sind ein hohes Gut, da sollte man nicht leichtfertig mit umgehen. Wenn jemand euch sagt, dass ihr keine Linsen verträgt, liegt das mit großer Wahrscheinlichkeit daran, dass ihr nicht die richtigen Linsen tragt. Es gibt heute sehr viele Möglichkeiten bei einem Experten, z.B. von der Interlens, sich weiche oder harte Linsen anpassen zu lassen und so ein Leben lang ohne Brille zu leben. Auch ich kannte diese Möglichkeit damals nicht und ich habe dafür teuer bezahlt. Denkt immer daran, dass eine Linsenanpassung nach einer Refraktiv-OP viel komplexer ist, als auf einem nicht-operierten Auge. Ich hoffe, mein Erfahrungsbericht denkt all diejenigen zum Nachdenken an, die sich einer solchen OP unterziehen wollen. Kein Eingriff ist frei von Risiken und überlegt euch gut, ob es euch das wert ist. Ich habe von einem Leben ohne Brille geträumt und heute kann ich mir ohne Brille nicht mal mehr die Zähne putzen und sehe auch dann bei weitem nicht optimal. Der Witz bei der gesamten Geschichte ist, dass ich wohl mit dem linken Auge einen Visus von 1.0 mit Brille habe. Aber was bringt mir das bitte, ich hätte lieber einen Visus von 0.7, dafür aber keine Anisometropie und kein Ghosting. Der Visus sagt nämlich rein gar nichts über die Qualität des Sehens aus. Wichtig sind, wie viele Aberrationen man hat, und ich habe nun mal hohe horizontale Coma-Werte und dies lässt sich nur mit harten KL kompensieren, und das auch nur bei einem echten Experten. Wenn man also erstmal im Schlamassel steckt, ist der Weg von dort heraus ein steiniger. Ich werde berichten wie es bei mir weiter geht, falls ihr Interesse daran habt. Ansonsten hoffe ich, dass euch der Bericht eine Mahnung darstellt.

Zu guter Letzt wollte ich noch Leute ansprechen, denen ähnliches passiert ist wie mir, da ich gerne Erfahrungen austauschen würde, wie ihr damit klar gekommen seid. Kontaktiert mich einfach per PN.

Ich wünsche euch das allerbeste und passt immer schön auf eure Augen auf! :)
BeKaIl
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Re: Eine Lasik, die zum absoluten Desaster wurde!

Beitragvon kamikaze2001 » 01.02.2017, 00:38

Lesenswert, "interessant"... aber eine Mahnung? Ich würde einfach mal sagen, so traurig das alles auch ist, du hattest einfach nur Pech.
Generell von einer Lasik abraten würde ich niemanden. Auch wenn ich selbst noch bissl Probleme mit trockenen Augen habe, unterm Strich habe ich mehr Vorteile als Nachteile nach der Lasik.

Für dich, alles Gute weiterhin!
kamikaze2001
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Re: Eine Lasik, die zum absoluten Desaster wurde!

Beitragvon GentleHaze » 06.02.2017, 16:10

Ich finde es wichtig, dass man auch mal Berichte von Fällen liest, wo nicht alles reibungslos abgelaufen ist. Es geht darum, dass man sich gut darüber im Klaren ist, was man für ein Risiko eingeht. Denn die Ärzte erklären es einem nicht. Man liest überall in der Werbung nur "In 99% der Fälle alles bestens". Aber was ist eigentlich mit den Menschen, bei denen nicht alles bestens läuft?

Bei meiner LASIK vor 10 Tagen ist auch alles bestens gelaufen. Aber danach trat eine Komplikation auf, die nur in 1% der Fälle auftaucht - nämlich Falten im Flap und seitdem unscharfes Sehen. Meinst du ich hätte gedacht, dass ich zu den 5 Patienten im Jahr gehöre, bei denen so etwas passiert?n :wink: Nö, ich habe gedacht "Komm, das ist soooo unwahrscheinlich!" Tja und nun sitze ich zu hause und kann nicht Auto fahren...

Danke für diesen Erfahrungsbericht. Es zeigt, was man mit diesem Eingriff aufs Spiel setzt. Nun muss jeder selber entscheiden, ob er das Risiko eingehen möchte.
Vor OP: L: Sph -1,75; Cyl -2,25 // R: Sph -2,00; Cyl -2,25
2 Wo. nach LASIK: L: Sph 0,0; Cyl -0,5 // R: Sph 0,0; Cyl -1,00 (Flap Lift)
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