OperationAuge.de

News
Forum

ICL Erfahrungsbericht Berlin Sommer 2017

Imlantierbare Contactlinsen (ICL), IOL, Artisan, Verisyse, Bioptics, Hinterkammerlinsen, Vorderkammerlinsen, Iris Clip Linsen, Clear Lens Extraction (CLE)

Moderator: Frankyboy

ICL Erfahrungsbericht Berlin Sommer 2017

Beitragvon Theodor » 08.09.2017, 19:08

Hallo liebe Leute - hier nun wie versprochen der Erfahrungsbericht zu meiner ICL-Implantation. Hat was länger gedauert, weil mein 1. Auge im Juli dran war, dann hatte ich einen Infekt und die Klinik Sommerferien so dass das 2. Auge gestern erst gemacht wurde.

VORHER
43 Jahre alt, bereits merklich eintretende Alterssichtigkeit, starke Kurzsichtigkeit von -7,5 sph und -1,5 cyl beidseitig sowie durchschnittliche HH-Dicke und große 8mm Dunkelpupillen. Brillenhasser (Sport, Optik, Bequemlichkeit usw.) und meine harten Kontaktlinsen vertrug ich mit den Jahren immer schlechter. Richtig sehen zu können ist ein langgehegter Wunsch von mir.

Vor 10 Jahren hatte mich schon einmal ausführlich informiert, aber da gab es noch kein Relex Smile (Femto bei mir zu grenzwertig), die ICLs hatten mir ein zu hohes Katarakt-Risiko (mangels Aquaport) und CLE nicht nur aufgrund intakter Linse sondern auch wg. des jungen Alters m.E. unverantwortlich (zu hohes Risiko der Netzhautablösung bei meinen langen Augen).

METHODE
Mit meiner Ausgangslage gibt es heute für mich, nicht wie für manch Andere, die eine "klare" Lösung. Lasern (RS), ICL und CLE sind allesamt möglich, aber alles mit spezifischen Vor- und Nachteilen. Bin eher der ängstlich-kontrollierte Typ und habe mich lange informiert, jede Studie gelesen, und dann Risiko-Nutzen-Tabelle aufgestellt ;) ICL inklusive Monovision geht da als der knappe aber eindeutige Sieger hervor. (PS auf multifokale ICLs wollte ich übrigens nicht mehr warten, zumal ich dem eher skeptisch gegenüberstehe). Das alles habe ich mir dann nochmal bestätigen lassen von einer konservativen Koryphäe. OP-Kosten übernimmt meine PKV.

Monovision hatte ich vorher in verschiedenen Stärken mit KLs ausgiebig ausgetestet, um zu sehen wie weit ich gehen will. Nach ein paar Tagen Kopfweh hatte ich bis zu -1,25 Unterschied wunderbar vertragen, darüber waren es mir dann doch zu viele Kompromisse (mir ist natürlich andersrum auch klar, dass meine Presbyopie noch signifiant zunehmen wird in den nächsten Jahren).

Naja, wenn alles klappt so wie ich mir das vorstelle, brauche ich im Bestfall für 90% meiner Tätigkeiten gar keine Brille mehr - weder fern noch Lesebrille (ab Mitte 50 dann sicher situativ eine fürs Lesen im Dämmerlicht oder bei sehr Kleingedrucktem, das ist ok. Oder doch mal eine Fernbrille fürs Autofahren nachts, um ganz sicherzugehen. All diese Dinge mache ich eher selten). Und UV-Schutz ist auch integriert ;)

KLINIK
Lebe in Berlin. Die bekannten Spezialisten mit ICL high-volume OPs sitzen ja in München, Lohr und Frankfurt, war mir zu weit und kompliziert. Hab' mir dann in Berlin 4 Kliniken genauer angeguckt und mich dann anhand bestimmer Kriterien für eine entschieden (Details gern per PN). Ich war und bin sehr zufrieden mit der Betreuung durch das ganze Team und den Chirurgen.

OPERATION
An zwei separaten Tagen, mit Kurzschlaf zum Anbringen der Betäubungsspritzen (sollte man rein topischer Betäubung vorziehen aufgrund ruhigerer Umgebung für den Operateur). Die eigentliche OP erfolgt dann bei Bewusstsein. War natürlich etwas nervös und aufgeregt ist aber alles halb so schlimm, das nette Team tat sein Übriges. Ich war immer ganz früh am Morgen dran weil man bei ICLs ja noch einige Stunden bleiben muss zur Beobachtung des Augendrucks. Bei Auge #2 war alles ok, aber bei #1 gab es in der Tat Komplikationen (Druck auch noch nach 4-5 Stunden substantiell zu hoch) und der Chirurg entschied, dass ich am selben Abend nochmal unters Messer musste zum nochmaligen Ausspülen. Das war natürlich sehr unerfreulich :/ danach war der Druck ok. Danach 4-6 Wochen fleissig tropfen.

ERGEBNIS
Auge #1 war 1 Tag post-OP bei +0,7 sph und -0,7 cyl und hat sich jetzt nach 2 Monaten bei +0,5 sph -0,5 cyl eingependelt. Das ist für mich ein perfektes Ergebnis, das sphärische Equivalent ist ganz leicht positiv - genau wie gewünscht da das (Monovision) mein Fernauge sein soll :)

Das Gute an der langen Verschiebung bis Auge #2 war, dass wir nochmal die Linse umbestellen konnten. Das Ziel der ursprünglichen Linse war -0,8 SE aber da Auge #1 etwas überkorrigiert war und es da eine gewisse Korrelation gibt, wollte ich auf Nummer Sicher gehen, um eine ausreichende Monovision herzustellen und wir orderten eine neue Linse mit Ziel -1,2 SE (die dann womöglich real bei circa -1,0 SE oder so rauskommt, siehe Auge #1, aber kann man ja nie perfekt vorhersagen, ich weiss).

Auge #2 1 Tag post-OP heute bei -0,5 sph und -0,5 cyl. Wenn es - hoffentlich - wie beim ersten Auge läuft, verschiebt sich die Sphäre noch ein klein wenig mehr ins Minus, so dass ich dann genau bei meiner gewünschten Monovision von SE leicht positiv (Fernauge) und ca. SE -1,0 (Nahauge) lande :)

Ansonsten ist noch zu sagen, dass es bei mir (beim ersten Auge) 1-2 Wochen brauchte, bis sich die Sicht richtig einpendelte, insbesondere auch was die Nahsicht betrifft. Das ging am Anfang gar nicht, und verbesserte sich stark.

Rein subjektiv wirkt mein Seheindruck jetzt deutlich "crisper" als mit meinen Kontaktlinsen vorher (vielleicht falle ich auch auf das HD-Sehen Marketing von Staar herein ;). Mit Kontaktlinsen hatte ich ausserdem deutliche Halos nachts um Lichtquellen, mit den ICLs sind die komplett weg. Neu sind die bekannten großen dünnen Ringe (von den Aquaports) bei schräg kommendem starken punktförmigen Lichteinfall - tritt sehr gelegentlich auf und stört mich überhaupt nicht. Mit der früheren Kontaktlinsen-Monovision fühlte ich mit beim Autofahren nachts leicht unsicher, mit der ICL-Monovision jetzt bisher nicht. Lesen in der Nähe, auch von Kleingedrucktem funktioniert prima.

In meinem Fall ist die optische Qualität der ICLs dem Lasern vermutlich überlegen, bei höherem Risiko, klar. Sonstiges: der Vault bei beiden Augen ist bisher wie er sein soll - ungefähr eine HH-Dicke. Habe - wie vorher - leicht trockene Augen, merke da keinen Unterschied und belastet mich nicht. Endothelzellzahl muss natürlich auch noch gemessen werden (erst nach drei Monaten) und unter Beobachtung bleiben. Meine Ausgangswerte waren hier altersgerecht ok (2600 bds.), mache mir hier keine großen Sorgen.

Heute, knapp zwei Monate nach OP Auge #1 und einen Tag nach OP Auge #2 hatte ich beim ersten beidäugigen Sehtest - trotz Monovision einen Visus von 1,6 - 2,0 (bis auf einen Buchstaben hatte ich die 2,0 Zeile komplett entziffern können). :D :D :D Mit Brille hatte ich nie mehr als 1,0, mit KLs nie mehr als 1,2, und ich werde ja nicht jünger.

Beim Nahsehtest konnte ich die kleinste Zeile lesen - während ich zuletzt vorher mit Vollkorrektur (ohne Monovision) schon drei Zeilen weiter oben aufgeben musste.

Wenn sich nun in den nächsten Wochen keine unwahrscheinliche Infektion beim zweiten Auge einstellt, bin ich natürlich extrem glücklich. Tollste Sicht, kein Nachlasern und hoffentlich kein Katarakt die nächsten ca. 20 Jahre, dann kann er kommen.

Könnte nun auch sagen "hätte ich das mal früher machen lassen!" aber neben Ängsten gab es damals noch keinen Aquaport, KLs gingen noch halbwegs passabel, und mit Mitte 30 hätte ich sicher auch noch keine Monovision auf dem Schirm gehabt. So dass jetzt mit 43 für mich persönlich vielleicht letztlich genau die richtige Zeit war, um hoffentlich die nächsten 20 Jahre eine exzellente Sicht zu geniessen (und dann ggf. im Rahmen einer Katarakt-OP die ICLs gegen Achtfach-Multifokallinsen zu tauschen oder was weiss ich was es dann geben wird ;) Und meine Hornhaut ist dann auch noch intakt.

Wünsche allen Unentschlossenen Glück und Ruhe bei ihrer eigenen Entscheidungsfindung.
Zuletzt geändert von Theodor am 10.09.2017, 11:52, insgesamt 2-mal geändert.
Theodor
Forums-Benutzer
 
Beiträge: 19
Registriert: 11.02.2017, 17:41

Re: ICL Erfahrungsbericht Berlin Sommer 2017

Beitragvon Gavin » 09.09.2017, 14:11

Hallo Theodor,

schön zu lesen, dass alles bei Dir so super geklappt hat! Ich merke beim lesen sofort, dass Du auch zu den Sicherheitsmenschen gehörst, die alles genau analysieren und auf den richtigen Zeitpunkt warten. Ich habe ja auch erst jetzt meine Entscheidung getroffen, die EVO+ Linsen bestellen zu lassen. Aber bei Dir merkt man halt auch, wie wichtig Vorbereitung, Recherche, Zeitpunkt, Auswahl des Linsentyps und der Klinik sind. Wenn das alles gut geplant ist, dann sind glaube ich die Ergebnisse extrem gut. Besonders bei Dir mit einem Visus von bis zu 2,0. :shock: Ich kann mir das gar nicht so richtig vorstellen?! :D Also best korrigiert mit KL schaffe ich 1,2 mit viel anstrengung. Aber wenn ich mir vorstelle wie weit man mit 2,0 sehen kann und vor allem welche kleinsten Details, dann ist der Begriff "Adlerauge" wohl sogar noch untertrieben. Einfach nur krass. :D Freut mich für Dich!

Ich sehe das mit dem Katarakt genaus. Er wird auch bei mir irgendwann kommen, nur hoffe ich insgeheim wie Du, dass er mit Anfang 60 kommt (bin 35). Dann glaube ich, kann ich das akzeptieren und bin mir auch sicher, dass die Linsenentwicklung soweit ist, dass man problemlos und mit guter Sicht auch weiterhin Brillenlos leben kann nachdem die körpereigene Linse entfernt wurde.

Was mich zudem erstaunt ist, dass Deine Halos komplett weg sind und Du sie vorher mit KL aber hattest?! Das ist schon echt toll, weil ich vor den Halos am meisten Angst habe Nachts. Hätte aber nie gedacht, dass sie danach komplett weg sind, sondern im besten Fall gleichbleibend wie bei KL.

Ich freue mich jedenfalls mit Dir. Hoffe, Du wirst diese Sicht noch lange lange haben! :)

Schönes Wochenende und Gruß

Gavin.
R: -9.50 dpt., Astigmatismus -1.50, 28°
L: -8.50 dpt., Astigmatismus -1.50, 153°
Gavin
kennt sich hier aus
 
Beiträge: 225
Registriert: 01.02.2005, 19:47

Re: ICL Erfahrungsbericht Berlin Sommer 2017

Beitragvon Theodor » 10.09.2017, 07:05

Hi Gavin,

danke Dir. Ja, ich bin ein "Sicherheitsmensch". Hat Vor- und Nachteile, wie alles im Leben 8)

Mein Visus wird sicher noch auf miese (Scherz) 1,2-1,6 runtergehen wenn die Sphäre in Auge #2 (Nahauge) sich in den nächsten Wochen wie gewünscht noch mehr ins Minus dreht.

Es klingt danach als willst Du auch weitgehende Brillenunabhängigkeit erreichen, über einen längeren Zeitraum. Dann unterschätz' die Alterssichtigkeit nicht, wenn Du für 20-30 Jahre optimieren willst, nicht nur für 10 Jahre. Kann man sich vielleicht schlecht reinfühlen wenn der Arm noch nicht ständig länger wird ;-)

1) Mit Mitte 30 macht es vermutlich dennoch weniger Sinn, dass Du über eine - leichte - Monovison nachdenkst?

2) Oder: ich weiss dass gerade ein geschlossener sehr "später" klinischer Test bzw Pre-Marketing-Phase läuft für die neuen multifokalen ICL (btw, es lohnt sich auch, die Börsenprospekte und Business-Pläne von Staar zu lesen ;), vielleicht gibt es da bald erste Erfahrungen (bin persönlich wie gesagt nicht überzeugt davon).

3) In jedem Fall: wenn Du nach Deinen OPs auf einem Auge wider Erwarten -0,5 übrig behältst würde ich Dir raten das nicht wegzulasern. Bzw. wenn Du auf einem Auge +0,7 zurückbehältst *könnte* man überlegen, es erstmal so zu lassen und in ein paar Jahren auf -0,5 nachzulasern. Sollte idealerweise das nicht-dominante Äuglein sein (bei mir war das übrigens nicht fix). Je nach Berufsbild und persönlicher Präferenz natürlich, ok. Vielleicht bist Du Fernfahrer o.ä. dann vergiss meinen Tipp.

Keine Ahnung ob es eine Tendenz gibt, rein anekdotisch vom Forumslesen scheint mir bei stark Kurzsichtigen eher eine leichte Überkorrektur nach ICL aufzutreten (obwohl die Ärzte und Staar gern auf -0,3 SE zielen) als andersrum. In Studien ist es aber ausgeglichen.

Das mit EVO vs EVO+ ist m.E. übrigens Marketing. In Wirklichkeit scheint es da fliessendere Übergänge der OZ im Produktfortfolio zu geben.

Was mir vorher auch nicht klar war - Deine torischen ICLs werden i.d.R. nicht massgeschneidert (6-10 Wochen Wartezeit) sondern im Lager von Staar gibt es halt diverse Modelle vorrätig und man bekommt dann ggf. eines mit anderer HHV-Achse, dass der Chirurg dann entsprechend "eindreht". Keine Ahnung ob das Nachteile hat, aber meine ICLs (mit nicht meiner "Original"-Achse) waren jeweils 1 Woche nach Bestellung da. Habe mir sicherheitshalber (für spätere Katarakt-OP) alle Achsen notiert - meine originalen, die der Linsen, und meine neuen.

Ich hatte auch torische ICL, kam im Beitrag nicht rüber. Gibt zwar das Nachrotationsrisiko aber besser als in jedem Fall Nachlasern.

Wenn übrigens wider Erwarten nach Auge #1 eine stärkere Zielabweichung stattfindet (die nicht durch Fehlrotatiom verursacht wurde) könnte man auf Linsenumbestellung bei #2 pochen (weil es da m.E. eine gewisse Korrelation li/re gibt, aber nicht 100%). Geht natürlich nicht bei Ärzten die beide Auge in einer Session machen (weiterer aus meiner Sicht substanzieller Nachteil hiervon, schliesslich implantiert man da was für 20+ Jahre). Wo lässt Du es denn machen, Gavin?

Halos: kann mir das nur so erklären dass meine Dunkelpupillen riesig sind, und die harten KLs da halt im Dunkeln nicht mehr die ganze OZ abdecken. Während es bei den ICL halt passt. Habe den zweitgrössten ICL/Durchmesser (und Kammerwinkel sehen lt. Chirurg gut aus). Weiterer ICL-Vorteil ggü Lasern bei grosspupilligen Humanoiden :)

An dieser Stelle möchte ich auch nochmal kurz auf die Risiken eingehen. Aus meiner laienhaften Sicht: Jede Linsen-OP ist natürlich wesentlich riskanter als Lasern wg. Eröffnung des Auges. Im Vgl. zwischen ICL und CLE ist es m.E. so, dass bei ICL weniger lang und tief und ohne Ultraschall/Laserkräfte im Auge rumgerührt wird, d.h. die grossen Hauptrisiken (Ablatio, Katarakt, evtl. auch Infektion) bei CLE etwas höher akzentuiert sein dürften. Alles nur im Schnitt, im Einzelfall kann alles passieren.


Gavin, drücke alle Däumchen für Deine Entscheidung!

Liebe Grüsse
Zuletzt geändert von Theodor am 10.09.2017, 08:04, insgesamt 11-mal geändert.
Theodor
Forums-Benutzer
 
Beiträge: 19
Registriert: 11.02.2017, 17:41

Re: ICL Erfahrungsbericht Berlin Sommer 2017

Beitragvon Theodor » 10.09.2017, 07:10

PS Adlerauge trifft es dann doch nicht ganz. Raubvögel wie Adler und Falken haben m.W. die besten Augen aller Wirbeltiere - mit zehnmal soviel Sehzellen wie wir, doppelter Sehgrube, drei Lidern und was weiss ich.

Deren Visus ist 10,0 (= 1000%). Müssen ja auch Mäuse von janz weit oben identifizieren :D
Theodor
Forums-Benutzer
 
Beiträge: 19
Registriert: 11.02.2017, 17:41

Re: ICL Erfahrungsbericht Berlin Sommer 2017

Beitragvon Gavin » 10.09.2017, 12:08

Hi Theodor,

ja, ich denke auch, dass bei Dir die Werte sich minimal verschlechtern und einpendeln auf einen Visus von 1,2 bis 1,6.

Zu Deinen Fragen:

1) Die Sache mit der Monovision hatte ich auch immer auf dem Schirm bzw. habe mir Gedanken darüber gemacht. Ich habe auch mit zahlreichen Augenärzten und Kliniken darüber gesprochen und jeder meinte, dass eine Monovision in meinem Fall nicht erstrebenswert ist, wenn ich Momentan in der Nähe noch perfekt sehen kann und nur prophylaktisch ein Auge über- und das andere Unterkorrigiere, weil irgendwann die Altersweitsichtigkeit kommt. Das wäre wie, als würde man sich die Mandeln rausnehmen lassen aus Angst vor späteren Problemen, ohne das Probleme bisher aufgetreten sind oder eine medizinische Indikation vorliegt. Das würde laut Ärzten nur zu einem bescheideneren Ergebnis bei mir führen und daher wäre es sinnvoller eher best korrigiert auf die Ferne zu sein. Was mit mitte 40 ist, wenn die Altersweitsichtigkeit kommt, das werde ich dann sehen. Aber nach meinem jetzigen Standpunkt will ich einfach nur von den mega hohen Dioptrienwerten runterkommen und was das sehen in der Ferne angeht schon "Brillenfrei" sein. Wenn dann die Altersweitsichtigkeit kommt und ich mit einer dünnen Lesebrille dann Speisekarten, Bildschirmarbeit oder lesen muss, dann ist das so. Gegen diese Entwicklung kann man natürlich wenig machen. Das ist von Mutter Natur halt so unvorteilhaft gemacht und es trifft jeden. Solange sich das benutzen einer leichten Lesebrille nur auf den Nahbereich beschränkt, denke ich das ich damit auch gut klarkommen werde. Schlimmer wäre es stark Kurzsichtig zu sein UND Altersweitsichtig. :?

2) Multifokallinsen sind so der heilige Gral in der Linsenchirurgie. Man strebt das best mögliche Sehen an, ohne dass meiner Meinung nach diese Technologie ausgereift ist. Fakt ist, dass nicht jeder mit Multifokallinsen und den unterschiedlichen Ringen bzw. Brennpunkten klarkommt. Das sagen auch viele Ärzte, dass dasnoch total "unausgereift" ist. Es gibt natürlich Patienten, die absolut zufrieden damit sind und das Gehirn damit zurechtkommt, aber es gibt auch genau so viele, die damit gar nicht klarkommen. Ich bin aber fest davon überzeugt, dass in 10 oder 20 Jahren diese Technik perfektioniert wird und vielleicht ich auch dann davon profitieren werde, wenn der Katarakt kommt. :wink: Im Moment sind aber die Monofokallinsen die sichereren und problemloseren Linsen, bei denen das Postoperative Ergebnis besser und sicherer kalkulierbar ist, als bei Multifokallinsen. Du hörst also schon raus....ich bin nach dem Momentanen Stand der Technik auch kein Fan von Multifokallinsen und würde sie mir selbst bei einer Altersweitsichtigkeit mit kombinierter Kurzsichtigkeit nicht implantieren lassen.

3) Das Nachlasern kommt für mich eigentlich nicht in Frage. Irgendwann langts halt auch. Das ganze Zeug mit Bioptics (Linsen einsetzen und notfalls Nachlasern bei Restwerten) finde ich eine zu starke Belastung am Auge. Ich meine, erst etwas ins Auge reinsetzen und damit Risiken eingehen und DANN auch noch die Hornhautoberfläche zusätzlich mit einem Laser nachmodellieren?!?! Neee, lass mal. Irgendwann wird einem dann das Auge sowas auch übel nehmen mit dieser "Doppelbelastung" mit Risiken. Keine Lust mir danach sorgen zu machen, ob sowohl mit den Linsen im Auge, als auf mit meiner Hornhaut alles ok ist. Für mich wären das zuviele Baustellen bzw. Eingriffe am Auge. Bei eventuellen Restdioptrienwerten nach der OP muss ich halt notgedrungen eine leichte Brille oder KL wieder tragen. Wie gesagt ist vorrangig für mich ein Ziel....runter von diesen heftigen Glotzblöcken und hin zu einem größten Teil Brillenfreien leben.

Wegen der Evo+ Linse. Ja, auch mir sagte man, dass wäre "nur" ein Marketinggag. Aber das stimmt nur zum Teil. Die neue EVO+ hat tatsächlich einen größeren Durchmesser. Und selbst wenn die optische Zone "nur" um 0.1mm bis 1.1mm zugenommen hat, so können solche kleine Veränderungen im Auge große Auswirkungen haben. Da kommt es auf jeden mm an, wenn es um Halos oder Blendungen geht. Deswegen kommt es mir auch so vor, als hätten mit der neuen EVO+ Linse die Patienten weniger Probleme mit Halos oder Blendungen bei Nacht als mit der EVO. Das würde auch erklären, warum Staar so schnell eine "Nachbesserung" der EVO auf den Markt gebracht hat. Vielleicht war ihnen die Halo-Problematik bekannt?! :|

Hier auch der interessante Beitrag von Dr. Neuhann auf dem Innovationssymposium 2017 in Düsseldorf. Bei 12:41 Minuten kannst Du die unterschiede zur alten EVO sehen. Und wenn das gelogen wäre, wäre das ja wirklich arglistige Täuschung am Patienten, was ich nicht vermute...

https://augenchirurgie.clinic/hilfe/videos/vimeo-innovationssymposium-2017-dr-tobias-neuhann-21-jahre-erfahrung-mit-icl-und-jetzt-erste-erfahrungen-mit-der-neuen-evo-visian-icl

Zu den torischen Linsen. Das hatte ich erst vor ca. einem halben Jahr mitbekommen, dass das gar keine "massgeschneiderten" Linsen sind. Ich war damals ziemlich Baff, dass das Linsen von der Stange sind mit unterschiedlichen Dioptrien-Werten und Astigmatismus-Schritten. Ich dachte immer, die werden passgenau an Hand der Untersuchungsergebnisse angefertigt. Deswegen auch die lange Lieferzeit und der hohe Preis?! Aber da wurde ich halt auch eines besseren belehrt. Aber was soll man machen? Ich hätte mir auch gewünscht speziell auf mein Auge angefertige Linsen zu bekommen wie beim Optiker Brillen oder Kontaktlinsen. Aber damit muss man sich wohl anfreunden. Obwohl natürlich die Frage ist....wenn man nicht komplett passende Linsen bei Staar auf Lager hat und eventuell der Astigmatismus bei der Linse um 0.25 abweicht oder die Dioptrienwerte um 0.25 abweichen, ist dann nicht klar, dass es oft nicht zu "perfekten" Ergebnissen kommt? Sollte man hier nicht doch "massgeschneiderte" Linsen herstellen, damit die Linsen genau die gemessenen Werte wiederspiegeln? :| So ganz habe ich das nicht verstanden.

Zu meinem Operateur: Ich lasse es in Lohr bei Dr. Krommes machen, der selbst ICL im Auge hat. Er ist meiner Meinung nach ein sehr guter und versierter Operateur, der auch im Visian ICL-Expertengremium sitzt. Zudem sind laut Erfahrungsberichten aus meinem Verwandtenkreis und die Bewertungen im Internet wie Facebook und Jameda, die Meinungen über ihn sehr gut. Er war auch einer der wenigen Ärzte, der mir nichts " verkaufen" wollte. Das zeigte mir, dass er nicht aufs Geld verdienen aus ist und auch seine Assistenzärztin meinte, dass er nie einem Patienten eine OP-Empfehlen würde, wenn er bedenken hätte, dass das Postoperative Ergebnis schlecht ausfallen würde.

Wegen der OP: Eigentlich will Dr. Krommes beide Augen an einem Tag operieren. Er bietet aber auch freiwillig an, die Augen an 2 verschiedenen Tagen zu operieren. Das ist ein Thema, über das jeder eine andere Meinung hat und man Stunden diskutieren könnte. Lieber an 2 Tagen operieren oder an 1?! Tja, da gibt es halt auch Vor- und Nachteile. Vorteil beide Augen operieren zu lassen sind halt, dass man die ganze OP-Prozedur mit Anästhesie, OP-Vorbereitung nur einmal über sich ergehen lassen muss und es auch nicht zu doppelten Kosten kommt, weil ja jede OP mit Vorbereitungskosten verbunden ist. Weiterhin sieht man nach der OP sofort auf beiden Augen und muss nicht 1 Woche warten und mit starken Minuswerten auf einem Auge rumlaufen. Auch das Risiko einer Infektion am Auge finde ich bei 2 OP-Tagen etwas höher, als es in 1 "Sitzung" machen zu lassen. Der Vorteil von 2 OP-Tagen ist halt, dass man erstmal abwarten und sehen kann, wie ein Auge die OP weggesteckt hat und wie Du schon sagtest eine gewisse Korrelation zwischen beiden Augen gibt. Das Thema wird mich auch noch beschäftigen, wenn der Anruf kommt es heisst....Wann wollen Sie die OP machen lassen und in 1 Sitzung oder 2 OP-Terminen? :? Ich denke und hoffe aber, dass egal welche Entscheidung man trifft, dass keine dramatischen Auswirkungen hat und sich beide Entscheidungen nix geben?! Aber wie gesagt...keine Ahnung, da muss ich nochmal mit Dr. Krommes oder seinen Assistentinnen reden.

Zu den Halos: Ja, ich kenne Halos auch. Trage selber harte KL und bin daran gewöhnt, was mich hoffen lässt, dass ich mit den ICL bei Nacht auch super zurechtkomme und vielleicht sogar weniger Halos habe. Laut Berichten sind ja Träger harter KL die idealeren Kandidaten für ICL´s, da sie optische Aberrationen bzw. Nebeneffekte kennen und sich daran bereits gewöhnt haben. Ein böses erwachen wie bei Trägern von Brillen oder weichen KL, die nach der OP dann vom Stuhl fallen und sagen...solche Halos, Blendungen, usw. kannten sie garnicht und sind geschockt wie das aussieht, sollten Träger mit harten KL inklusive größeren Nachtpupillen nicht haben. Ich gehe bei mir da auch optimistisch dran, dass ich weiss, was da auf mich zukommen wird.

Zu den Risiken: Ich habe lange mit mir und der OP gehadert. Fakt ist: Ich bin Maulwurfsblind mit meinen Werten. Meine Brille, die ich als "Notfallbrille" bezeichne oder liebevoll "meine Krücken" sind keine Option. Selbst dünn geschliffen sieht die Brille schrecklich aus und rutscht aufgrund der schweren Gläser. Also ist die schonmal raus. Kontaktlinsen? Ja, das war und ist meine momentane Rettung. Bei so hohen Werten ist aber auch das tragen von harten KL kein Spass mehr. Die Linsen haben schließlich auch ihre dicke und deswegen mehr "spürbar" im Auge. Hinzu kommt seit den letzten 2-3 Jahren ein trockenheitsgefühl. Nach einem 8 Stunden Tag im Büro sind die Augen rot, es tritt ein nebliges "schleiersehen" auf weil die Augen trocken sind und es kratzt und juckt. Ein gutes Sehgefühl? Nein! Zwar bin ich best korrigiert mit KL auf 120%, aber was bringt mir das, wenn das sehen an sich unangenehm und anstrengend ist?! Ich habe mit Dr. Krommes, meinem Augenarzt und einem Optiker geredet. Was mir jeder im ungefähren Wortlaut sagte "In Ihrem Fall mit den starken Werten ist so ein Eingriff vertretbar. Ich würde das auch machen, wenn ich so schlecht sehen würde. Hier ist die Risiko-/Nutzen Abwägung in einem vertretbaren Rahmen". Ich war auch vorher dieser Meinung und bin beruhigt, dass das andere auch so sehen. Was ich bis heute nicht verstehe und auch durch die Blume andere Augenärzte und Optiker meinten, sind die Patienten, die an ihren Augen rumfuchteln lassen und dabei nur Werte von -1 oder -2 Dioptrien haben. Sowas ist meiner Meinung nach ein Witz und nur eine Ego- bzw. Eitelkeitssache. Ich hätte liebend gerne solche Werte, dann würde ich nie im Leben über eine Laser- oder Linsen-OP nachdenken. Für mich sind Eingriffe am Auge nur bei einer starken Ausprägung der Fehlsichtigkeit vertretbar, wenn zusätzlich ein gewisser Leidensdruck herrscht und man auch in der Freizeit durch Sehhilfen stark eingeschränkt ist. Bei mir sehe ich alle diese Punkte erfüllt und ich denke auch nicht, dass diese OP "unnötig" ist und nur eine Lifestyle-OP - schön wärs, wenn ich diese Sorgen hätte. :roll:

Zum Thema Audlerauge: Das war ja auch nur als "Spass" und Floskel gemeint. :wink: Wobei....wenn man bdenkt, dass der normale Visus 1,0 also 100% betragen sollte bei einem Menschen (klar manche sehen auch nur 90% oder schlechter), dann sind 2,0 bzw. 200% halt der absolute Wahnsinn. Das ist das doppelte Sehvermögen eines Menschen mit 100% Sehvermögen und keiner zusätzlichen Korrektur. Da ist der Begriff "Adlerauge" für menschliche Verhältnisse schon angebracht, besonders wenn man bedenkt, dass das eigentlich nicht normal ist bei einem Menschen, der Sehapparat eines Menschen ist ja nicht für sowas ausgelgt aufgrund seiner Lebensgewohnheiten. Da muss das Auge nicht soviel Leisten, damit man überleben kann. Kann hingegen früher bei den ersten Menschen wie den Steinzeitmenschen normal gewesen sein, da sie auf ein perfektes Sehen in einer feindlichen Welt angewiesen waren. Ich glaube bei denen waren Werte wie 1,6 oder 2,0 vielleicht auch "normal". Durch die Industrialisierung, Arbeiten im Büro, ungesunder Ernährung, usw. hat sich die Evolution auch auf unsere Augen ausgewirkt und den Visus "runtergeschraubt", weil eine super Fernsicht nicht mehr überlebenswichtig ist. Ich bin auch davon überzeugt, dass es in 50 Jahren nur noch wenige Menschen gibt, die keine Sehhilfe mehr brauchen. Menschen mit perfekten Augen sind zunehmend eine aussterbende Rasse. :lol:

Danke noch fürs Daumendrücken Theodor! Die torischen EVO+ Linsen habe ich letzte Woche in Lohr bestellt und ich denke es wird mitte November, bis die Linsen da sind und die OP stattfinden kann. Ich hoffe, es läuft alles glatt... :?

Schönen Sonntag noch und Gruß,

Gavin.
R: -9.50 dpt., Astigmatismus -1.50, 28°
L: -8.50 dpt., Astigmatismus -1.50, 153°
Gavin
kennt sich hier aus
 
Beiträge: 225
Registriert: 01.02.2005, 19:47

Nächste

Zurück zu Linsenchirurgie

Kostenlose Beratung zum Thema Lasik

Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 0 Gäste