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LASIK-OP bei einer Augenlaserkette

positiver als auch negative persönliche Berichte vor / nach LASIK, Femto-LASIK, LASEK, Epi-LASIK, PRK...

Moderator: Frankyboy

LASIK-OP bei einer Augenlaserkette

Beitragvon GentleHaze » 06.02.2017, 15:50

Hallo,

ich möchte in diesem Beitrag einen Erfahrungsbericht über eine LASIK-OP schildern, den ich bei einer bekannten Augenlaserkette habe durchführen lassen. Dieser Bericht soll keine Werbung sein, daher nenne ich weder den Namen der Kette noch den Namen irgendeines Arztes.

Wo habe ich mir die Augen lasern lassen?
Eine deutschlandweit vertretene Augenlaserkette, die mit 25 Jahren Erfahrung, 99% Weiterempfehlungsquote und dem Slogan "Fühle dich frei"/"Goodbye Brille" Werbung für sich macht.

Warum habe ich mich für eine Korrektur entschieden?
Ich hatte auf beiden Augen etwa -4,25 bis -4,5dpt Myopie inkl. Hornhautverkrümmung und seit dem 16. Lebensjahr eine Brille. Ich habe die Brille immer als lästig und unästhetisch empfunden. Kontaktlinsen waren für mich aufgrund meiner starken Hornhautverkrümmung (-2,25dpt) keine Lösung, da ich dafür langfristig sehr tief in die Tasche hätte greifen müssen.

Wie bin ich auf das Unternehmen aufmerksam geworden?
Ein Bekannter hatte sich dort erfolgreich -8,00 dpt weglasern lassen. Daher habe ich mich über das Unternehmen informiert und viele Vergleiche angestellt. Da eine Korrektur dort zu extrem günstigen Preisen angeboten wird, war ich zunächst sehr skeptisch und bin es noch heute. Die vielen positiven Ergebnisse haben mich dann aber doch überzeugt.

Fiel mir die Entscheidung leicht?
Nein, ich habe die Entscheidung auch nicht übereilt getroffen. Insgesamt habe ich schon vor drei Jahren mal den Gedanken gehabt. Aber zu viel Angst davor und es daher wieder fallen gelassen. Ende letzten Jahres habe ich dann gesagt "Wenn das Hunderttausende Leute machen, warum sollte ich es dann nicht machen?"

Das erste Informationsgespräch und die Erstuntersuchung
Die Vorgespräche liefen schnell und nach Schema F ab. Das empfand ich als unangenehm, weil man als Patient wie ein Kunde behandelt wird und sehr schnell zu einer "Kaufentscheidung" geleitet wird. Bereits beim Erstgespräch wird einem empfohlen einen Termin für die OP zu reservieren. Auf diese Weise wird im Kundengespräch Verbindlichkeit hergestellt (Vertriebler kennen es), was zur höheren Wahrscheinlichkeit führt, zu kaufen und JA zu der OP zu sagen. Beim Erstgespräch bekommt man keinen Arzt zu Gesicht. Man redet mit einem Kundenberater und einem Optiker. Es wird nicht über Risiken und Komplikationen gesprochen, es sei denn man spricht es konkret an. Diese werden dann aber kleingeredet "Bei jedem Eingriff kann es zu Komplikationen kommen". Die Nebenwirkungen nach dem Eingriff werden nicht besprochen (Halos, Blendeffekte, Schmerzen, Verlust des Kontrastsehens bei Nacht etc.). Dass der Flap für Probleme sorgen kann, wird völlig verharmlost ("Das passiert sehr selten, praktisch nie").

Die Voruntersuchung vor dem Eingriff
Für diesen Termin ist eine geringe Gebühr fällig, weil die LASIK OP keine Kassenleistung ist. Ich fand das völlig berechtigt. Immerhin ist es eine längere und aufwändige Untersuchung und man jederzeit wieder abspringen.
Zum ersten Man sieht man einen Arzt. Der führt das Aufklärungsgespräch, wobei man sich anhand eines Patientenaufklärungsbogens, den man vorher bekommen hat und den man lesen musste (undbedingt sollte!!!!), entlanghangelt. Das geht sehr schnell Die einzelnen Zeilen werden schnell überflogen, bei Komplikationen wird gesagt "Das passiert sehr selten, vllt. 0,5%". Auch wenn alle Leute wirklich ausgesprochen nett und freundlich sind, kommt man sich etwas vor wie ein Fließbandprodukt. Man hat alleridngs die Möglichkeit alles zu erfragen, was einem auf dem Herzen liegt. Daher sollte man sich GEZIELT AUF DAS GESPRÄCH VORBEREITEN, denn man sieht den Arzt kein weiteres Mal vor der OP!

Was wird bei der Voruntersuchung untersucht?
Hornhautdicke, Form des Augapfels, Feuchtigkeitsfilm des Auges, Refraktometertest, Sehstärke mit geweiteten Pupillen, etc. Ehrlich gesagt wird man ziemlich auf den Kopf gestellt. Dafür wird sich auch Zeit genommen. Bei mir war der Sehtest sehr schwierig, weil ich Probleme hatte scharf zu sehen. Aber auch dafür wird sich Zeit genommen. Insgesamt habe ich bestimmt 1,5h dort verbracht. Am Ende bekommt man ein Rezept mit den Augentropfen (Antibiotikum, Cortison, künstl. Tränen), die man sich selber in der Apotheke kaufen muss (ca. 80-100€).

Was muss man am Tag der OP beachten?
Urlaub beantragen. Eine Begleitung organisieren, weil man danach nicht sehen kann (Schmerzen, tränende Augen, Blendeempfindlich). Wohnung abdunkeln. Sonnenbrille ohne Stärke mitbringen. Augentropfen mitbringen. Kein Make-Up oder Parfum tragen. Keine Angst haben.

Braucht man eine Beruhigungstablette?
Eigentlich nicht. Aber man ist etwas ruhiger, wenn man sie bekommt, also einfach schlucken.

Vor der OP
Ich bin freudestrahlend dahingefahren. Meine Angst davor war plötzlich einer riesigen Freude auf ein Brillenfreies Leben gewichen. In der Praxis angekommen, wird man noch einmal zum Datenabgleich zum Kurzgespräch mit einem Optiker gebeten. Dort habe ich nach einer Beruhigungstablette gefragt, da ich auf Nummer sicher gehen wollte, dass ich nicht im OP plötzlich ohnmächtig werde. Man wird danach in einen Vorraum geleitet. Dort zieht man sich OP-Kleidung an (Kittel, Haube, Schuhe)m desinfiziert sich die Hände, der Augenbereich wird desinfiziert, man bekommt betäubende Augentropfen (wirken sofort) und Antibiotika. Dann geht es los. Auf einmal zitterten meine Hände doch. Aber ich dachte daran, wie geil es ist, wenn es vorbei ist.

Wer operiert einen?
Wer gerade Dienst hat. Es kann sein, dass die Voruntersuchung ein anderer Arzt gemacht hat, als der, welcher operiert. Also könnte es sein, dass man den Arzt dann zum ersten Mal sieht. Wenn man das nicht möchte, muss man das vorher sagen, wenn man den Termin vereinbart. Es ist eben keine Arztpraxis, sondern ein Unternehmen.

Die OP
Dauert ca. 20 Minuten. Es fühlt sich aber wie 5 Minuten an. Man legt sich auf eine Liege und bekommt Knetbälle in die Hände, falls man Angst hat, kann man die drücken. Erst wird ein Auge zugedeckt. Beim anderen Auge werden die Wimpern abgeklebt und eine Klammer ins Auge gesetzt, damit es offen bleibt. Man stellt sich das schlimm vor, aber man fühlt überhaupt nichts und es ist echt kein Thema! Keine Angst davor! Dann wird noch irgendwas gemessen. Ich weiß aber nicht was. Der Arzt ist da schon auf der Hornhaut drauf, aber ich hatte gar nichts gefühlt. Jetzt kommt der krasse Teil. Ein Saugring wird auf den Augapfel gesetzt und dann fühlt man für ca. 5 Sekunden einen Druck auf dem Kopf. Währenddessen wird der Flap geschnitten. Man hört ein Geräusch wie von einem Kompressor. Man hat keine Schmerzen. Man fühlt echt nichts. Der Saugring wird sofort wieder abgenommen. Der Arzt prüft den Flap und klappt ihn zur Seite. Dann muss man in ein grünes Licht gucken und der Laser startet. Das ist echt cool, man sieht tausende rote kleine Lichter. Man fühlt eine gewisse Wärme. Nach ein paar Sekunden ist das vorbei und der Flap wieder wieder zurückgeklappt, Tropfen drauf, mit einem feinen Pinsel glatt gestrichen und die Sache ist gelaufen. Klammer raus und Auge schließen. Das zweite dann genauso. Für den Patienten ist das ein Spaziergang.

Mythos: Wird das Auge beim Lasern festgehalten, damit man nicht nach links und nach rechts gucken kann?
Nein. Beim Laservorgang ist der Kopf frei und das Auge auch. Man schaut einfach nur mit offenem Auge auf einen grünen Punkt. Der Laserstrahl verfolgt das Auge mittels Eyetracking. Da kann also nicht versehentlich ein Stück von der Wange weggelasert werden...

Nach der OP
Man setzt sich auf und kann sofort scharf sehen, allerdings wie durch einen glasigen milchigen Schleier. Dennoch - man kann sofort sehen. Man wird in einen Ruheraum geleitet und soll für ca. 10 Minuten die Augen schließen. Dann schaut sich der Chirurg die Augen an und prüft die Lage des Flaps. Erst wenn da alles in Ordnung ist, bekommt man die ersten Tropfen und dann kann man im Prinzip nach hause gehen.

Der Weg nach hause und zu hause
Sobald die Betäubung nachlässt, fängt das Auge heftig an zu Brennen und tränt. Man heult quasi und kann nichts dagegen tun. Es fühlt sich in etwa so an, als wenn man Seife in die Augen bekommen hätte. Alle 20 Minuten muss man Augentropfen nehmen. Die Augen sind sehr lichtempfindlich. Man hält die Augen die meiste Zeit geschlossen, es geht nicht anders.
Meine persönliche Empfehlung: nach der OP ein Ibu600 nehmen. Ich habe daran irgendwie nicht gedacht, aber es hätte sehr geholfen. Das Ganze hält 6 Stunden an, dann hört es abrupt auf und es geht einem prima. Ich habe mir danach erstmal ne Pizza in den Ofen geschoben.
Nachts muss man mit einem Augenschutz schlafen (Plastikschalen), die man sich aufs Gesciht klebt (mit Leukofix). Man braucht keine Schmerztablette mehr und keine Schlaftabletten.

Der nächste Tag
Man kann besser sehen als am OP-Tag, hat keine Schmerzen. Ich hatte auch keine trockenen Augen, aber da man so viel tropft, kann ich das auch nicht so beurteilen. Mein rechtes Auge sah wesentlich schlechter als mein linkes. Man geht zur Nachkontrolle, wo der Flap kontrolliert wird und man einen schnellen Sehtest macht. Hier wird nicht die Qualität des Sehens (Wie klar und eindeutig sehe ich?), sondern lediglich der VIsus (wie viele Zeilen kann ich vorlesen?) geprüft. Das bleibt dann auch so. Der Erfolg der OP wird nicht daran gemessen, wie gut man sehen kann, sondern wie viel Prozent Sehleistung man hat. Das ist ein erheblicher Unterschied!!!!! Beispiel: Ich sehe Doppelbilder. Ich kann die 7 erkennen und vorlesen, aber ich sehe noch eine zweite 7, etwas versetzt. Da ich aber die Zahl lesen kann, wird es als 100% gewertet, auch wenn ich qualitativ erhebliche Einschränkungen im Sehen habe. Das Unternehmen garantiert keine perfekte Sicht, sondern einen Visus ähnlich wie den vorher mit Brille! Es geht also nicht darum, am Ende 0,0 Dioptrie zu haben!!! (zumindest geht es dem Unternehmen nicht darum... einem persönlich schon, aber darüber wird man nicht aufgeklärt).

Nebenwirkungen
Ja, man hat Nebenwirkungen. Jeder hat sie. Die trockenen Augen. Dies ist normal, da bei dem Flapschnitt Nerven durchtrennt wurden, und diese sich erstmal nachbilden müssen. Das dauert mehrere Monate.
Ich habe außerdem:
- Halos/Lichtstreuung im Dunkeln (Unmöglichkeit nachts Auto zu fahren)
- Verschlechterung des Kontrastsehens
- Doppelbilder/Doppelte Konturen
- Generell unscharfes Sehen, schlechteres Sehen als vorher mit Brille
- Falten im Flap, die durch eine zweite OP korrigiert werden mussten (Bericht bei "Komplikationen")
- Fremdkörpergefühl
- Kopfschmerzen
- Müdigkeit
- Müde Augen
- Abends leichtes Brennen

Gab es Komplikationen?
Die OP lief reibungslos ab. Aber nach der OP haben sich beim rechten Auge Fältchen im Flap gebildet, die in einer aufwändigen und schmerzhaften OP wieder geglättet wurden. Ich zehre noch von den Nebenwirkungen und habe rechts eine Sehleistung von 30%. Links 90%.

Würde ich die Augenlaserkorrektur noch einmal machen?
Nein. Bisher leide ich darunter, dass ich nicht mehr so gut sehen kann und die Nebenwirkungen halten an. Ich wünsche mir die Zeit mit Brille zurück. Auch wenn ich mich damit hässlich fand, so konnte ich wenigstens klar und deutlich sehen. Nun muss ich geduldig sein und hoffen, dass ich in einigen Monaten wieder gut gucken kann. Der Leidensdruck durch die Nebenwirkungen und Komplikation ist stark und ich kann mich an meinem Brillenfreien Äußeren nicht erfreuen. Ich bin traurig und habe Angst.

Würde ich die Augenlaserkorrektur bei einer Kette empfehlen?
Nein. Ich würde lieber das doppelte zahlen und von einem Spezialisten gut versorgt werden wollen. Aber auch da kann es zu Komplikationen kommen!!!

Würde ich generell die LASIK-OP empfehlen?
Ich enthalte mich bei der Aussage. Inzwischen denke ich, dass es verrückt ist, ein gesundes Organ operieren zu lassen (ähnlich wie eine Brustvergrößerung). Ich denke, jeder muss das für sich selber entscheiden, ob er Risiken eingeht, die zum Sehverlust führen können. Man muss sich der Risiken im Klaren sein.
Zuletzt geändert von GentleHaze am 08.02.2017, 11:12, insgesamt 1-mal geändert.
Vor OP: L: Sph -1,75; Cyl -2,25 // R: Sph -2,00; Cyl -2,25
2 Wo. nach LASIK: L: Sph 0,0; Cyl -0,5 // R: Sph 0,0; Cyl -1,00 (Flap Lift)
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Re: LASIK-OP bei einer Augenlaserkette

Beitragvon Choddi79 » 06.02.2017, 23:11

Vielen Dank für deinen detaillierten Bericht - darf ich fragen, in welcher Stadt, du die OP hast machen lassen?
Choddi79
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