Ihr Lieben,
drei Tage nach der OP gehts jetzt weiter mit meinem Erfahrungsbericht. Eins vorweg: ich kann sehen !
Letzten Mittwoch war es soweit. Zu 19 Uhr war ich bestellt. Allerdings war man im Zeitplan zurück, meine OP verschob sich von halb acht auf kurz nach acht.
Die Frage nach einer Beruhigungstablette bejahte ich... besser ist besser... Im Wartebereich saßen frisch operierte, die erschienen mir anfangs nicht sehr glücklich. Ich wurde deutlich nervöser, die überlange Wartezeit tat ihr übriges. Mein lieber Mann versuchte mich mit allen möglichen Themen von meinen Ängsten abzulenken und las mir Zeitungsartikel usw. vor. Die Tablette wirkte langsam und ich empfand alles als "von Gott gegeben"
Die Vorbereitungen wurden von einer Schwester vorgenommen, ich erhielt eine Haube und Überschuhe. Alle Personen waren sehr nett. Als es in den OP ging, bekam ich Muffensaußen. Aber dann lag ich schon auf der OP-Liege.
Das Abkleben der Wimpern und das Einsetzen der Augenspannen waren wohl das Unangenehmste. Und das Spülen der Augen empfand ich als echt grauenhaft. Schmerzen hatte ich zu keiner Zeit, der Arzt erklärte immer, was er machte und versuchte sogar, ein Gespräch zu beginnen. Ich versuchte, ruhig zu atmen und war daher kein besonders doller Gesprächspartner.
Das Abtrennen des Flaps und das Umklappen merkte ich nur daran, dass sich mein Sehempfinden kurz änderte bzw. die Sicht auf den zu fixierenden grünen Punkt sich veränderte.
Nach knapp 20 Minuten war alles vorbei. Ich war noch nie so erschöpft, der Arzt schob dies vor allem auf die Valium.
Meine Augen wurden verbunden und ich ging allein SEHEND (wenn auch milchig) ins Wartezimmer. Die Sicht wurde in den nächsten 30 Minuten immer besser.
Nach weiteren Untersuchungen war ich um 21 Uhr entlassen. Rund 30 Minuten mußten wir mit dem Auto nach Hause fahren. Die meiste Zeit hatte ich die Augen geschlossen, da die Lichter extrem unangenehm für meine Augen waren.
Zuhause bin ich fast sofort ins Bett und wachte am nächsten Tag gegen 6 Uhr auf. Ich entfernte die Schutzklappen und sah das Haus unseres Nachbarn klar und deutlich. Ich hätte heulen können. Ein wenig schlierig war die Sicht. Wie früher, wenn ich meine Linsen zu lange getragen hatte. Ich träufelte die Augen und berichtete glücklich meinem Mann. Um 9 Uhr hatte ich die erste Nachkontrolle. Der Weg zum Augenarzt war eine Offenbarung - ich konnte alles sehen und dank der Sonnenbrille war es draußen auch nicht zu hell.
Der Arzt war sehr zufrieden, einen Sehtest wollte er erst am folgenden Tag machen. Ich fuhr wieder mit Bus und Bahn nach Hause und verbrachte den Tag auf dem Sofa, hörte Hörbücher und telefonierte mit Gott und der Welt über mein tolles Sehen. Die Valium zermanschte mich immer noch. Die meiste Zeit habe ich geschlafen.
Am Freitag dann das offizielle Ergebnis:
links: 0,0 keine Hornhautverkrümmung mehr, 120 %
rechts: -0,25, 90%
Mit einem Attest, dass ich jetzt wieder autofahren darf, und nach zig weiteren Untersuchungen bin ich zunächst glücklich entlassen. Am Donnerstag muss ich wieder hin. Der Arzt sagt, es sei denkbar, dass sich das rechte Auge auch auf 0,0 "erholt" - wir werden sehen. Aber mit diesen Werten werde ich keine Brille brauchen und ich fühle mich auch nicht wirklich auf dem rechten Auge schlechter sehend. Der Arzt meint, dass ich einen Unterschied überhaupt wahrnehme, läge an der Sehfähigkeit, die bei den Augen eben 120% bzw. 90% im Moment betrügen. Dieser Unterschied machts wohl. Er ist aber guter Dinge, dass die rechte Seite auch auf 0,0 geht. Rechts habe ich im Moment gelegentlich noch eine milchige Sicht und dort scheint das Auge auch länger zu benötigen, um zu heilen. Zumindest habe ich dort so ein leichtes Kratzen (ähnlich dem Tragen einer defekten weichen Linse).
Ich bin rundum glücklich, super Sicht, keine Doppelbilder, wenig Lichthöfe - weißes Licht ist am unangenehmsten, gelb und rot weniger problematisch. Den Arzt, Dr. Jagielski, kann ich nach meinen Erfahrungen gut empfehlen. Einige Freunde warten jetzt noch ein paar Wochen meine Genesung ab und werden dann wohl eigene Termine machen
Ich hätte nie geglaubt, dass richtig sehen so sein würde. Und das Unangenehme des Eingriffs ist schon fast vergessen. Die Personen, mit denen ich am Donnerstag telefonierte, haben sicher noch mehr von den gruseligen Details zu hören bekommen, als die Freunde, bei denen wir gestern waren
- wird fortgesetzt, sobald ich am Donnerstag beim Augenarzt war -
Man hüte sich vor der Weltanschauung derer, die die Welt nie gesehen haben.
Alexander v. Humboldt